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Dritter Abschnitt.

daran gedacht, dem alten Gebrauche, welcher die Kompetenz der
nationalen Prisengerichte des Kriegführenden anerkannte, ein Ende
zu machen. Was er gegen diese Kompetenz anführte, ist wie das
Plaidoyer eines Ahwaltes zu werten, der vor Männern des Volkes
die Ungerechtigkeit des Gesetzes, gegen das sein Klient gefehlt, darlegt
 und so die Freisprechung erzielt. Der König appellierte an das
natürliche und vernünftige Recht nicht, um mit einer feststehenden
alten Gewohnheit aufzuräumen, sondern weil es taktisch vorteilhaft
erschien, sich gegenüber der brutalen maritimen Überlegenheit und
der jedem nicht britischen Handel feindlichen maritimen Politik
Englands, unter welcher alle neutralen Staaten schwer zu leiden
hatten, auf das Naturrecht zu berufen.
Der große Preußenkönig bestritt die Zuständigkeit der englischen
Prisengerichte für neutrale Angelegenheiten, weil ihre Mitglieder,
wie er sich ausdrückte, zugleich Richter und Parteien wären. (Vgl.
DvPUss, 1. c. p. 91.) War dieser Vorwurf gerechtfertigt, so traf er nicht
minder die von Friedrich eingesetzte Kommission. Im siebenjährigen
Kriege hat Friedrich II. selbst eine eigene preußische Prisengerichtsjarkeit
 angeordnet, und zwar auch zur Entscheidung über neutrale
Prisen. Nach der Kaperinstruktion sollten alle .mit Truppen, Waffen,
Pulver und Kriegsmunition für die Feinde befrachteten Schiffe aufgebracht
 und als gute Prisen erklärt werden. Als Prisengericht
fungierte ein besonderes Gericht mit dem Sitz in Berlin, die Prisen-Kommission;
 zu ihren Mitgliedern zählte u. a. der Geheime Rat
Friedrich Behmer. In einzelnen Fällen, wo preußische Kaper ihre
Prisen in den Hafen von Emden geführt hatten, erkannte als erste
Instanz die Ostfriesische Regierung; gegen ihre Entscheidung konnte
Revision bei der Prisen-Kommission in Berlin eingelegt werden, welche
die Oberste und letzte Instanz bildete 1).
Ohne das Auftreten Friedrichs des Großen hätte kein Autor des
18. Jahrhunderts den kühnen Gedanken auszusprechen gewagt, daß
der Kriegführende zur Aburteilung neutraler Prisen nicht kompetent

vessentait, sans s’en rendre un compte exact, la valeur et la force du droit des gens,
ıl avait conscience de Vl’importance de l’opinion et, quelque indulgente et sceptique
que füt l’opinion de son temps, il savait que, pour la capter, il fallait encore mettre
ie son cöte les apparences du bon droit“,
1) Vgl. FRIDERICI BEHMERI Novum Jus Controversum. Tomus I. Lemgoviae 1771
p. 18 sag. Durvis in Annales de 1l’Ecole libre des seiences politiques t. VII (1892)
p. 93: „Lorsqu’au cours de la guerre de Sept ans, il delivra des lettres de marque
pour courir sus aux navires ennemis et empecher les neutres de se livrer ä la contrebande
 de guerre, il eüt trouve plus que ridieule celni de ses corsaires qui se füt
avise de conduire un navire neutre dans un port de la nation de ce dernier pour
demander ä une cour d’amiraute€ de ce pays de statuer sur la legitimite de la prise;
et si le tribunal neutre avait ose statuer et condamner le corsaire prussien, il n’eüt
pas manque de considerer un tel acte comme une immixtion dans la lutte, incommatible
avec les devoirs de la neutralite“