Die „Internationalisierung“ der Prisengerichtsbarkeit, 57

maligen dänischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten, gewidmet.
 HÜBNER, ein gebürtiger Hanoveraner, war seit 1751 Professor
an der Universität zu Kopenhagen!). Als im siebenjährigen Seekriege
 der dänische Handel und die dänische Seeschiffahrt durch die
Kriegsschiffe und Kaper der Kriegführenden arg zu leiden hatten,
reiste er in besonderer Mission an die Höfe von Paris und London,
um dort Klage zu führen?). Sie war ihm die Veranlassung, nach den
Prinzipien der reinen Vernunft die Grundlagen und den Umfang des
Rechts der Kriegführenden gegenüber den neutralen Staaten zu
prüfen und zwar des Rechts, neutrale Schiffe anzuhalten, zu durchsuchen
 und zu konfiszieren®).
Über die Ausführungen HÜBNERS zur Frage der Prisengerichtsbarkeit,
 ihrer Mängel und geeigneter Abhilfe?) sind das 18. und 19.
Jahrhundert wenig hinausgekommen. In die Gedankengänge HÜBNERS
verirrt sich bisweilen auch etwas Positives. Im allgemeinen bietet
er Naturrechtlerei ziemlich platter Art. Und doch sind seine Deduktionen
 auch heute noch von Interesse, nicht nur, weil sie den
Gedanken einer „internationalen“ Prisengerichtsbarkeit zuerst ausgesprochen
 haben, sondern auch aus dem Grunde, weil selbst die
Verhandlungen der zweiten Haager Konferenz die ganze Frage kaum
von festerer Warte aus ins Auge gefaßt haben.
In den beiden ersten Kapiteln des zweiten Bandes untersucht
HÜBNER, „indem er zur Grundlage nimmt die Prinzipien des Code
de ]’ Humanite et celui des Nations Souveraines“ (II p. 21), die
Frage: A qui il appartient de juger les Bätimens Neutres qui ont
Ste saisis par les Vaisseaux arm6s des Parties Belligerantes, et conduits
 malgre eux dans quelque port, comme ayant viole les Loix de
la Neutralit&amp; et encouru par-lä la confiscation ou le ressentiment de
la Puissance offensee et saisissante?
Er geht davon aus, daß jedes Schiff, welches sich freiwillig, d. h.

1) Vgl. ROBERT WARD 1875, p. 1538; SCHLEGEL, Sur la visite des vaisseaux neutres
30Us Cconvoi, 1800, p. 9, 10.
2) Über Hürners Leben und Schriften siehe die Angaben bei MicHAvD, Biographie
Universelle. Tome vingtieme p. 92, 93; Barbier, Dietionnaire des ouvrages anonymes,
3me ed. tom. II (875) p. 942; v, HOLTZENDORFFS Rechtslexikon, 3. Aufl., Bd, II,
1881, S. 329; HENrRY WHEATON, Histoire des progres du droit des gens. 3me &amp;d. t. I.
Leipzig 1853, p. 273.
3) MARTIN HÜBNER gilt auch als Verfasser einer 1756 zu Kopenhagen erschienenen
Streitschrift: Le Politique danois ou l’Ambition des Anglais demasquee par leurs
Pirateries. Für die in dieser Streitschrift niedergelegte theoretische Auffassung
ist bezeichnend der wiederholt gebrauchte Ausdruck Republique generale de
’Europe. Die politische Richtung ist hinreichend charakterisiert durch den Satz p. 51:
‚„Alger, Tunis, Maroc, sont aujourdhui de mauvaises 6coles pour, les Pirates; il faut
ywils aillent s’instruire dans la Grande-Bretagne“ und das wiederholt zitierte Wort
;ines englischen Parlamentsmitgliedes: On ne doit pas tirer un coup de canon dans
aucune partie du monde sur Ja Mer, sans la permission de la Grande-Bretagne; p. 19, 27
4} Vgl. OzAaNAM S. 61 fl.