Die „Internationalisierung“ der Prisengerichtsbarkeit. 61

den Frieden der Nationen bedrohen, vermeiden. Nur so gewinnt man
eine vom Verdacht der Parteilichkeit freie Rechtsprechung, nur so
wird das Übel bei der Wurzel gefaßt. HÜBNER glaubt einen Weg
gefunden zu haben, um zu einer Rechtsprechung in Prisenstreitigkeiten
 zu gelangen, welche frei ist von den Mängeln, welche „la droite
Raison et le Droit des Gens Universel“ den bestehenden Prisengerichten
 vorwerfen. „Les Puissances Neutres n’ont qu’ä
commettre ä leurs Ministres, accredites”aupres de celles
qui sont Belligerantes, ou, ce qui seroit encore plus exp6edient,
 a leurs Consuls, residant dans les differens ports
de ces dernieres, de juger les Prises faites sur leurs
Nations respectives, conjointement avec les Commissaires,
 nommes pour le me&amp;me effet par les Souverains des
Preneurs, ou par ceux des lieux oüU la prise a 6te conduite.
 Si l’on se doutoit del’intelligence de ces Ministres
ou de ces Consuls dans cette partie, quoiqu’ ils fussent
pourvus d’amples instructions et de pleins pouvoirs
necessaires, on pourroitleur adjoindre, de l’aveu du Souverain
 des lieux, des personnes pleines de probite et de
connoissance dans tout ce qui concerne les Loix des Nations
 et les Traites des Puissances modernes: moyennant
quoi Von previendroit toute contestation ulterieure, au
sujet des jugemens portes par le Tribunal combine, en
donnant la consistance etla solidite requises ä cette Jurisüiction
 qui, pour @tre nouvelle, n’en seroit pas
moins juste, ni moins sage et bienfaisante“*“
(II p. 46, 47).
Eine solche Prisengerichtsbarkeit wäre nach HÜBNER wirklich kompetent.
 Sie böte auch den großen Vorteil einer prompten Justiz, die
besonders in Prisensachen hoch anzuschlagen ist und deren Fehlen
bisher den Neutralen so oft Anlaß zu gerechter Beschwerde geboten
hat. Wäre doch immer wenigstens ein Teil des Richterkollegiums an
ainer schnellen Erledigung des Prozesses interessiert. Zudem wäre
es ausgeschlossen, daß den Entscheidungen das Recht eines
Staates zugrunde gelegt würde; es ergäbe sich von selbst, daß man
die Gesetze der Humanität und den Inhalt der Verträge zur Richtschnur
 nähme.
Die Verwirklichung dieses Reformvorschlages erhofft HÜBNER
von dem Friedensschluß, der in Bälde dem Seekrieg ein Ende zu
zetzen scheint.
Außer dem normalen Falle, daß ein auf hoher See aufgebrachtes
 neutrales Schiff in einen Hafen des Nehmestaates
geschleppt wird, untersucht HÜBNER noch einige weitere Möglichkeiten.

Läuft ein Kriegsschiff mit einer neutralen Prise in einen