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Dritter Abschnitt.

Delegationen arbeiten, „um dem Prinzip der Schiedssprechung
ein weiteres Feld zu gewinnen.“
Der Amerikaner HORACE PORTER begrüßte warm den Vorschlag
der deutschen Delegation und sagte seine Unterstützung zu.
Die Beratung der angekündigten Entwürfe wurde der deutschen
Anregung entsprechend von der Konferenz der Ersten Kommission
zur Bearbeitung zugeteilt.
Diese deutsch-englisch-amerikanische Kundgebung machte allenthalben
 ungeheures Aufsehen?). Den meisten kam die Kunde völlig
überraschend. Die Haltung Deutschlands schien manchem anfangs
ıunerklärlich, und man witterte allerlei Absichten?). Und daß sogar
England für eine internationale Priseninstanz eintrat und gleich
Deutschland die Initiative ergriff, mußte noch mehr auffallen. Engand
 hatte sich in langen Jahrzehnten beharrlich jeder staatsveriraglichen
 Fortbildung des Seekriegsrechtes widersetzt. Im Gefühl
seiner Sicherheit und Überlegenheit zur See hatte es in jedem Verzuch
 einer Kodifikation dieses Rechtes eine Gefährdung seiner Vormachtstellung
 zur See erblickt. Jeder Rechtssatz schränkt ein, bindet
die freie Kriegsaktion; er wurde daher als ‚mindestens überflüssig
betrachtet. Man wußte, daß in England die Pariser Seerechtsdeklaration
 heftig bekämpft wurde, daß die britische Regierung es
1874 in Brüssel und 1899 im Haag abgelehnt hatte, in die Beratung
seekriegsrechtlicher Fragen einzutreten 4). ‘Und jetzt plötzlich "die
[nitiative zur Schaffung einer Institution zur Rechtsprechung in
Prisensachen!
Von den Vorarbeiten der deutschen und englischen Regierung
war nahezu nichts in die Öffentlichkeit gedrungen 5. In einem von
Sachkunde zeugenden Artikel der Kölnischen Zeitung vom 15. Mai
19066) war die Reformbedürftigkeit der Zusammensetzung der Prisen-1)

 Pour 6tendre le principe de V’arbitrage; Actes et documents I, 58
2) Vgl. z. B. JOHN MACDONELL in The Contemporary Review XCIT, July 1907 p. 111.
3) A, DE LAPRADELLE in Revue des deux Mondes vom 1. Aug. 1908: „... desireuse
d’attenuer sa trop constante opposition ä Varbitrage, l’Allemagne en apportait un
autre (projet} avec le secret espoir. Deut-Etre. d’embarasser l’Angleterre“, Siehe auch
JzANAM, S. 122, 123,
4) Näheres siehe in REvys Vorwort zu OZANAM p. IV— XI.
5) Sir THOMAS BARCLAY (in The Fortnightly Review. October, 1907, p. 555):
„... it seems curious that the two Governments in question should not have endeavoured
 to come to some sort of understanding earlier, and understanding which might
aven have ineluded other maritime Powers. Much time might, thus, have been saved
aut of the three months’ discussion these two projects have entailed, and with the
aid of a French draftsman a really useful joint scheme might have been presented
{rom the first...“ In einer Anmerkung sagt Barclay: „Both projects showed an impertect
 knowledge of French legal phraseology and legal drafting, and throughout the
Conference, as in 1899, this want of knowledge of French and skill in drafting has
deen the cause of much unnecessary delay“.
6) Meurer. Die Haaver Friedenskonferenz. München Bd. II (1907), 649,