MI. Der äußere Gang der Haager Verhandlungen. 77

gerichte betont worden: „Der Nehmestaat bildet sie nach eigenem
Ermessen. Dem geschädigten neutralen oder feindlichen Privatmann
 ist keinerlei Bürgschaft für ein gerechtes Urteil gegeben. Hier
wäre es Aufgabe einer internationalen Verständigung, nicht nur
Grundzüge für internationale Prisengerichte erster Instanz aufzustellen,
 sondern auch ein internationales Prisengericht zweiter Instanz
ainzusetzen.“‘
Am 19. Februar 1907, also einige Monate vor dem Zusammentritt
 der Konferenz, richtete Mr. A. HERBERT im englischen Unterhause
 an Sir Hl. CAMPBELL-BANNERMANN die Anfrage, „ob die Regierung
 die britischen Vertreter auf der bevorstehenden Haager
Konferenz zu instruieren gedenke, bei den übrigen Mächten auf
eine Verständigung über eine Berufung von allen Prisengerichten
an das Haager Tribunal als letzte Instanz zu dringen.“ Der Premierminister
 antwortete ausweichend: „Der Gegenstand sei in dem
russischen Programm nicht ausdrücklich enthalten, aber er werde
nicht! außer acht gelassen werden und sei bereits tatsächlich von
der britischen Regierung als ein Punkt erwähnt worden, der in das
Programm mit aufgenommen werden solle. „Ich kann indessen
über die den britischen Delegierten zu erteilenden Instruktionen so
lange keine Angaben machen, als die Erörterungen über das Programm
 noch im Gange sind1).“
Wie aus einer Rede HAGERUPS in der zweiten Plenarsitzung
der Ersten Kommission zu ersehen ist, hat auch die norwegische
Regierung schon nach Mitteilung des russischen Programms den
Wunsch ausgesprochen, daß der Arbeitsbereich der Konferenz auch
auf die Frage einer internationalen Prisengerichtsbarkeit erstreckt
werden möge?2),

1) BARCLAY, Problems of International Practice and Diplomacy. With Special
Reference to the Hague Conferences and Conventions and other general International
Agreements. London and Boston, 1907, S. 105. Zu HERBERTS Anfrage bemerkte
I. E. HOLLAND am 20. Februar 1907 in [einem Briefe an The Times: „Just as the
Alabama arbitration would have been impossible hat not an agreement been arrived
at upon the prineiples in accordance with which neutral duties as to the exit of
ships of war were to be construed, so, also, before an international Court can be
empowered to decide questions of prize, whether in the first instance or on appeal
it is indispensable that the law :to be applied on the points above mentioned (the
list of contraband, \the distincetion between „absolute“ and „conditional“ contraband,
che doctrine of „continuous voyages“, the right of sinking a neutral prize, the moment
irom which a vessel becomes liable for breach of blockade), and many others, should
have been clearly defined and accepted, if not generally, at least by all parties concerned.
 The moral which I would venture to draw is, therefore, that although
questions of fact, arising out of the capture of a prize, might sometimes be submitted
 to a tribunal of arbitration, no case, involving rules of law as to which
nations take different views, could possibly be so submitted. One is glad, therefore,
to notice that the Prime Minister’s reply to Mr. A. HERBERT was of the most guarded
tharacter“, Siehe T. E. HOLLAND, Letters to „The Times“ upon war and neutrality
(1881—1909). London 1909. S. 152, 2) Aectes IL 17: OzANAM 8. 121