Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.

land während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts völlig
genügende Grundlagen gebildet worden: schon hatte sich eine
allgemeine Überzeugung eingestellt, die die Forderungen Gott,
Freiheit und Unsterblichkeit als für die Erringung persönlichen
Glaubens ziemlich unbedingt notwendig, weil in der Zeit ge—
geben, behandelte: so etwa, wie seit dem zweiten Viertel des
19. Jahrhunderts in Amerika eine mindestens unitarische
Auffassung des Christentums als gemeinsame Grundlage aller
Sektenbildung festgehalten wird. Allein die weiter notwendigen
Zeitbedingungen für eine subjektivistische Fortentwicklung der
Hhristlich-kirchlichen Institutionen hatten sich nicht entfaltet. Und
so gelang es nur besonders entschtedenen UÜberzeugungen, wie
etwa denen der Herrnhuter, auch wohl der Altlutherischen, zur
Sektenbildung vorzudringen, während ein großer Teil der freieren
individuellen Uberzeugungen in den Schoß halbweltlicher Geheim—
gesellschaften, z. B. der Freimaurer, flüchtete und das Gros der
Bevölkerung den alten Kirchen treu blieb.
Fragt man, welche Momente diesen keineswegs konsequenten
Verlauf bedingt haben, so läßt sich gewiß viel AÄußerliches an—
führen: auf katholischer Seite die Existenz von geistlichen
Staaten noch bis ins 19. Jahrhundert hinein, in denen Staat
und Kirche selbstverständlich unlösbar verquickt waren; bei den
Evangelischen die nicht minder augenscheinliche Verbindung von
Landesfürstentum und Summepiskopat: und auf beiden Seiten
daraus hervorgehend namentlich auch ein Durcheinander staat⸗
licher und kirchlicher Finanzansprüche, dessen Liquidation die
allergrößten Schwierigkeiten damals geschaffen haben und selbst
heute noch verursachen würde. Allein darüber hinaus waren es
doch namentlich auch innere Hindernisse, die der Trennung von
Kirche und Staat entgegenstanden. Die Zahl derjenigen, die
für den Gedanken der Trennung reif waren, war auch noch in
den vierziger Jahren außerordentlich gering. Immer wieder
muß in diesem Zusammenhange bedacht werden, daß die neue
Kultur des Subjektivismus zunächst nur kleine Kreise ergriffen
hatte, daß sie eigentlich erst infolge und mit der Romantik populär
geworden war. Nun wissen wir aber, wie es das Schicksal eben