Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 13

ja beantworten. So suchte der Gründer des neuen Reiches,
Fürst Bismarck, sehr bald den engsten Anschluß an österreich;
und erst mit jenem Augenblicke, da er vollendet war, schien die⸗
jenige politische Kombination erreicht, die dem Bedürfnisse der
Zeitgenossen Genüge tat und auch die fernere Entwicklung bis
zur Gegenwart beherrscht hat.
Konnten nun aber mit der äußeren Zusammenschweißung
der nationalen Einheit, so vollkommen oder unvollkommen sie
gelungen sein mochte, zugleich auch die subjektivistischen Be—
dürfnisse des inneren Staatsgusbaues befriedigt werden? Es
ist eine Frage, deren nicht ganz leichte Beantwortung uns in
Pausen des Nachdenkens während der folgenden Erzählung
mmer und immer wieder beschäftigen wird.
Eins jedenfalls war sicher: der der Einheit verderbliche
politische Gegensatz zwischen Protestantismus und Katholizismus
als Trägern von kirchlichen Verfassungsbildungen, die in die
Staatsverfassungen eingefügt waren, erschien mitnichten beseitigt.
Und so war an sich schon klar, daß seine Lösung im neuen
Reiche alsbald versucht werden mußte. Es geschah inner⸗
halb der protestantischen Kirche durch neue Verfassungsreformen,
in denen das Ideal freier Kirchenbildung wohl mehr durch⸗
schimmerte als früher, aber keineswegs schon erreicht wurde.
Immerhin aber waren die Vorgänge dieser Umbildung derart,
daß sich in ihnen schon ein höheres Ziel der Zukunft ab—
zuspiegeln begann: und so gehört ihre Darstellung nicht mehr
der Erzählung des Verlaufes der ersten subjektivistischen Periode,
sondern der späterer Zeiten an.
Ein anderes Verhältnis ergab sich für die katholische Kirche.
Kein Zweifel: indem die Kaiserkrone des neuen Reiches an
Preußen fiel, war der Katholizismus, auch ganz abgesehen von den
Empfindungen und Erfahrungen der römischen Kurie, der Besiegte.
Und so suchte er sich der Einordnung in die neuen Verhältnisse
zu erwehren, falls ihm nicht eine besondere Selbständigkeitsstellung
bewilligt würde. Es war der tiesste Anlaß des Kulturkampfes,
der insofern seinen Namen verdiente, als die Anerkennung der
dapal-katholischen Bestrebungen zugleich den vollen Sieg der