Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.

antisubjektiven, mithin der kulturell reaktionären Elemente be—
deutet haben würde: statt zu einem vielleicht notwendigen Gegen⸗
gewicht gegen einen allzuraschen Ablauf des nationalen Seelen⸗
lebens nach vorwärts würden sie sich zur bestimmenden Trieb—
kraft dieses Lebens haben aufschwingen wollen. Was aber war
des Kulturkampfes Ausgang? Gelang es wirklich, das tiefste
Problem zu lösen, den Staat freizustellen von irgendwie legi⸗—
timen, verfassungsmäßig garantierten Einflüssen der katholischen
Kirche? Gewiß: die Tatsache, daß alle Konkordatspolitik auf⸗
gegeben wurde, daß die Grenzen zwischen Kirche und Staat
von diesem und seinen Organen selbständig abgesteckt wurden,
bedeutete einen großen Schritt hin nach diesem Ziele. Aber
erreicht wurde es keineswegs. Noch sind in dieser Richtung
die wichtigsten aller Maßregeln erst zu ergreifen; noch wird
einmal die Nation der Frage der staatskirchlichen Liquidation
ganz anders, als bisher, entgegenblicken müssen. Für ihre
außerordentliche Wichtigkeit aber mag es gleichsam symbolisch
sprechen, daß die Zeit der nationalen Einheitsbewegung unter
dem Bestande der alten Verquickung staatlicher und kirchlicher
Interessen durch eine wesentlich kirchengeschichtliche Epoche, die
Vorgänge Ende der dreißiger und Anfang der vierziger Jahre,
eingeleitet, wie durch eine wesentlich kirchengeschichtliche Epoche,
die des Kulturkampfes, geschlossen wurde: so stark haben in
jenen gar nicht so lange vergangenen Zeiten, den Jahren
unserer Väter und Großväter, noch nichtstaatliche Motive in
den politischen Ausbau des nationalen Staates und seiner
Teilstaaten eingegriffen.

In den Tagen, da Napoleon die traurige Fahrt nach Elba
antrat, bewegte sich auch ein anderer Zug sehr abweichenden
Charakters nach Süden. Am 24. Mai 1814 zog der viel—
geprüfte, liebenswerte Papst Pius VII. nach langer Gefangen⸗—
schaft wieder in Rom ein. Es harrte seiner dabei der freudigste
Empfang; selbst die Protestanten in Rom betrieben die Er—