Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 15

rcichtung eines Denkmals, das die Wiederherstellung des Papst⸗
tums verewigen sollte!.
Und nun wurde Rom, vor allem für Deutsche, zum er—
lesensten Orte romantischer und klassischer Pilgerfahrten. Hier—
hin wiesen die Spuren Goethes; hier wuchsen philologisch- und
archäologisch-gelehrte Interessen auf; hier folgte jetzt auf den
weichen Canova der nordisch strengere und sich dennoch den
Formen der südlichen Körperwelt anschmiegende Thorwaldsen
und erstand damit für Söhne des Nordens auch ein Interesse
an moderner Plastik; hier wurden die konvertierten Nazarener
Overbeck, Schadow, Veit, Riepenhausen durch Cornelius und
seine Gefolgsleute in mancher Hinficht überholt: es hieß die
Bildung einer deutschen Malerschule im Bannkreis der ewigen
Stadt: ein deutsch⸗römisches Leben von hoher geistiger Intensität
erhob sich.
Und ihm wie dem Besuche des Papstes strebten auch die
deutschen Fürsten zu. Wer erinnert sich nicht der prächtigen
Künstlerzeit des späteren Königs Ludwigs J. von Bayern! Aber
auch der Kaiser von Österreich, der König von Preußen, der
preußische und der dänische Kronprinz erschienen, und bald
wurde Rom auch noch zum Exilsort vertriebener Herrscher: die
spanischen wie die sardinischen Könige und die Napoleoniden
fanden in Rom in gleicher Weise Unterschlupf.
So erschien denn die Stadt fast wie eine geschichtliche
Rüstkammer Europas: verrostetes politisches Gewaffen, künst—
lerische Reliquien, uralte geistliche Ansprüche bildeten ihren
romantischen Hausrat; unmittelbar schien man hier Vergangen⸗
heit zu atmen: und daran, daß diese Vergangenheit auf kirch—
lichem Gebiete noch einmal Gegenwart werden könne, dachte
niemand, am wenigsten Protestanten wie Niebuhr und Ranke.

Von der folgenden Darstellung wie ihren Fortsetzungen in diesem
Bande ist im Juli 1802 schon zur Konstituierung des Textes einiger Ab—
schnitte in der zweiten Hälfte des zweilen Ergänzungsbandes (,Zur jüngften
deutschen Vergangenheit“), der 1904 erschienen ist, Gebrauch geinacht worden.
Diese Abschnitte werden in einer künftigen definitiven Bearbeitung der
Ergänzunasbände dort wegfallen.