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Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.

ist. Die Zirkumskriptionsbulle hatte für die Kurie den Vorteil,
daß fast alle ihre Wünsche für die finanzielle und administrative
Sicherstellung der katholischen Kirche erfüllt wurden, daß sich in
ihr weiter die Möglichkeit fand, die Bischöfe ganz dem kurialen
Regiment zu unterwerfen, und daß gleichwohl über den pari—
tätischen Charakter der katholischen Kirche im Verhältnis zu
anderen Kirchenbildungen auf preußischem Boden und über
Gewissensfreiheit überhaupt nicht das geringste verlautete. So
konnte man von Rom aus ruhig der Zukunft entgegensehen;
als dem Papste Leo XII. bei seinem Regierungsantritt über
den Stand der katholischen Kirche in Deutschland und speziell
in Preußen berichtet wurde, hob er Augen und Hände zum
Himmel auf unter dem Ausruf: „Welch besondere Gnade der
Vorsehung!“
Selbstverständlich kam es nach alledem zur Unterdrückung
der episkopalistischen und damit zugleich der wissenschaftlichen
Strömungen in der katholischen Kirche Deutschlands. Ihre Ver—
treter sahen sich überall der Kurie ausgeliefert — am wenigsten
noch in Österreich, wo sie aber nicht eben zahlreich waren —:
wer hätte sie halten sollen? In der Schweiz hatten sich selb—
ständige Regungen in den katholischen Kantonen von jeher
gegen die Kurie gewendet; ein ewiger Kampf der Kantone
zegen die Nuntien war die Folge gewesen. Darauf hatte die
Kurie im Jahre 1814 die Schweizer Katholiken mit der Ab—
sicht, ein eigenes Landesbistum zu errichten, aus dem alten
Zusammenhang mit dem Bistum Konstanz losgerissen, es war
die Unterwerfung der Schweiz unter die Kurie und zugleich
die Zerstückelung jenes Konstanzer Bistums gewesen, das unter
Wessenbergs Einfluß stand. Nun ging man weiter; Wessen⸗
bergs Einfluß wurde auch in dem deutschen Teil der Diözese
untergraben; 1827 zog er sich zurück.
Nicht minder trat man gegen episkopalistische Sonder⸗
regungen da auf, wo sie sich sonst noch geltend machten, so in
Schlesien und am Rhein; und überall leisteten die jetzt weiter
eindringenden Jesuiten und deren Schüler, vor allem auch die
Doctores Romani des Collegium Germanicum gute Dienste.