Erster KRampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 38

In Breslau folgte dem würdigen Fürstbischof Hohenlohe der
zum Apostolischen Vikar ernannte Pole Schimonsky; er ging
gegen die Priester der Diözese, welche deutsche Messe lasen,
als gegen Männer „demagogischer Umtriebe“ vor und fand
dabei, trotz der energischen Mahnungen des schlesischen Ober—
präsidenten Merckel, auf den Rat Bunsens, die wenn auch
laue Unterstützung des Königs, die enthusiastische dagegen
des entscheidenden katholischen Rates im Kultusministerium,
Schmedding.
Schmedding war es auch, der der ruhigen, Rom gegenüber
festen Verwaltung des Erzbischofs Spiegel in Köln Hindernisse
entgegensetzte und die Reorganisationsbestrebungen im Sinne
eines deutschen Katholizismus hintertrieb. Doch nicht so sehr
auf dem Wege der Verwaltung ließ sich zunächst gegen den
Geist der deutschen katholischen Kirche vorgehen: hier mußte
einfach das Aussterben der älteren Generation der Bischöfe ab—
gewartet werden. Wichtiger und rascher durchführbar erschien
ein Einschreiten gegen die Blüte des katholischen Geisteslebens
in der Wissenschaft.
Es begann in anfangs nur schwachen positiven Gegen⸗
schlägen durch Vorschieben jesuitischer Lehranstalten und jesui⸗
tischer Wissenschaft. In dieser Hinsicht war eine der ersten
Maßregeln die Gründung eines gewaltigen Jesuitenpensionats
in Freiburg im Üchtland, wohin die Jesuiten schon 1818 ge—
kommen waren. Dem folgte dann, sehr langsam und meist
unter starkem Mißtrauen der Regierungen, die Vorschiebung
jesuitischer Stationen nach Osterreich (anfangs nur in Galizien)
und später auch nach Bayern; in Sachsen haben die Könige
Friedrich August und Anten schon jesuitische Beichtväter gehabt
und von Dresden aus wurde der Herzog von Köthen bekehrt:
Beichtvater der ebenfalls konvertierten Herzogin von Köthen
wurde der spätere Jesuitengeneral Pater Beckr.
Diese positiven Leistungen wollten aber im ganzen wenig
besagen; erst viel später ist eine jesuitische Wissenschaft von
größerer Bedeutung entwickelt worden, und auch dann blieb
sie, sehr natürlich bei ihrer Stellung zu allen tieferen geistigen