Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 37

zur Erklärung und Verteidigung der Glaubenswahrheiten einen
dunklen, zu allen Irrtümern führenden Weg eingeschlagen“.
Hermes selbst hat diese Verdammung nicht mehr erlebt;
man wartete sogar den Tod des Erzbischofs Spiegel von Köln
(1885) ab, ehe man die Bulle von Belgien her in Deutschland
verbreitete. Jetzt freilich konnte die Bekanntmachung gewagt
werden; denn als Nachfolger Spiegels war in Köln auf Betrieb
des preußischen Kronprinzen in dem Freiherrn Clemens August
von Droste ein echter Papalist eingezogen — so sehr ein Gegner
der bisherigen selbständigen deutschen Entwicklung, daß man
über seine Präsentation durch Preußen sogar in Rom in Er—⸗
staunen geraten ist. In Köln aber hatte sich das Domkapitel
auf die ihm zugemutete Beschränkung seines freien Wahlrechts
hin aufs äußerste gegen diese Kandidatur gewehrt, und der
rheinische Oberpräsident von Bodelschwingh hatte sich dahin
geäußert, „daß er die Wahl des Erzbischofs Droste als einen
der entsetzlichsten, unverantwortlichsten Mißgriffe betrachte, den
man je hätte begehen können, und an dessen Folgen man noch
lange zu laborieren haben werde“.
Ehe aber der neue Erzbischof noch gegen den Hermesianis⸗
mus ernstlich einschritt, war ihm die preußische Regierung schon
zuvorgekommen, indem sie die katholische Fakultät in Bonn
veranlaßt hatte, Hermes stillschweigend in den Vorlesungen
fallen zu lassen. Natürlich beantwortete der Erzbischof ein
solches Entgegenkommen mit einem weiteren Schritte: er dehnte
die bis dahin nur für die Erzeugnisse der praktischen Theologie
geübte bischöfliche Zensur auf wissenschaftlich-theologische Ar—
beiten aus. Und als die Regierung hierzu schwieg, verbot er
am 12. Januar 1837 in einem Rundschreiben an die Bonner
Beichtväter geradezu die Lektüre der Hermesschen Bücher und
ließ dem die Verpflichtung für alle von ihm anzustellenden
Geistlichen folgen, vor der Anstellung die Lehren von Hermes
zu verdammen.
Zugleich kam er mit der Bonner Universität in Schwierig⸗
keiten wegen der Vorlesungen der katholisch-theologischen Fakultät;
und bei dieser Gelegenheit hat er ausgeführt, wie er sich ein