38 Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.

katholisch-theologisches Studium und ein katholisches Kirchen—
regiment denke: Bildung, Anstellung und Absetzung der Geistlichen
seien rein Sache des Bischofs; der Staat habe dabei nichts
mitzureden; die Professoren an den Seminarien und Fakultäten
seien von den Bischöfen anzustellen und abzusetzen; gegen den
Bischof stehe ihnen nur ein Rekursrecht nach Rom offen; auch
hier also habe der Staat nicht das Recht des Eingriffs.
Es war ein klarer Ausspruch nächster und wichtigster
papaler Ziele; und ihm entsprechend ist je länger je mehr
verfahren worden. Der Hermesianismus war jetzt kirchlich
zgerichtet; der in ihm erzogene Klerus hat nur eine Generation
umfaßt. Zugleich aber war in der Verdammung und Zer—
störung des Hermesianismus grundsätzlich die gesamte Wiffen—
schaft der deutschen katholischen Theologie getroffen. War ihr
Todeskampf auch nach den dreißiger Jahren noch zäh und lang⸗
wierig, so war das weniger ein Ergebnis der Lauheit ihrer
Gegner als der Gewissenhaftigkeit und des Mutes der Ge—⸗
lehrten, die ihr anhingen.
So hat Möhler, der große Polemiker des Katholizismus
gegenüber den deutschen protestantischen Kirchen, es erleben
müssen, daß seine Symbolik bei einem Haare auf den Inder
gekommen wäre, ehe man in Rom ihre polemische Brauch⸗
barkeit erkannt hatte, und seine selbständigen Neigungen bei
aller schroff katholischen Stellungnahme haben schließlich seinen
Lebensabend verbittert; er wurde von seinem Muünchener Lehr⸗
stuhl ehrenvoll in die Würzburger Domdechantenpfründe ab—
geschoben. Nicht viel anders würde es in München Döllinger
exgangen sein, hätte nicht das Vatikanum und die Unfehlbarkeits⸗
erklärung ihn überhaupt von der Kirche geschieden.
Wie in München, so verliefen die Dinge auch in Tübingen
und Freiburg. In Tübingen wurde der energische und frucht—
bare Hirscher namentlich von dem Augenblick an bekämpft, da
er für den Freiburger Erzstuhl in Aussicht genommen schien (1842),
bis er schließlich, eben vom Freiburger Erzstuhle aus, zum
Widerruf genötigt wurde und gebrochenen Herzens starb. Im
Grunde nicht viel besser erging es Staudenmaier, dem von