42 Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.

in den Mischehen anerkannt worden, wie denn auch die Bischöfe
von Breslau für die Trauung gemischter Ehen ohne Anfrage
bei der Kurie Dispens zu erteilen pflegten, selbst wenn das
Versprechen katholischer Kindererziehung nicht gegeben war.
Aber der posensche Erzbischof Dunin begann jetzt, unter der
Einwirkung des Kölner Widerstandes, die bis dahin geübte
Praxis zu verlassen. In zwei Erlassen aus dem Anfang des
Jahres 1838 an seinen Klerus stellte er sich auf den Stand—
punkt Drostes. Darauf verlangte die Regierung die Zurück—
nahme der Verfügungen; und der Erzbischof verweigerte sie.
Nun wurden sie für ungesetzlich erklärt, und hierauf wiederum
protestierte der Klerus der Erzdiözese. Die Dinge waren damit,
da die Regierung sich auf in Köln so unglücklich verlaufene
Unterhandlungen nicht einließ, zum Prozeß bereit. Im April
1839 wurde der Erzbischof zu einer sechsmonatigen Festungs⸗
strafe und Verlust seiner Würde verurteilt.
Die Kölner und Posener Vorgänge erregten die katholische
Welt aufs heftigste. Wohin zielte dieser heidnische preußische
Staat? Hatte König Friedrich Wilhelm III. schon durch inter—
konfessionelle Versetzungen der Beamten und durch gemeinsame
Militärgottesdienste von Protestanten und Katholiken der katho—
lischen Kirche in der von ihr beanspruchten einzigartigen Stellung
Gewalt angetan, so wolle er jetzt wohl die Gipfelpunkte ihrer
Verwaltung und Verfassung in Preußen mit noch stärkerer Ge—
walt beseitigen? Laut schrien die papalen Katholiken auf,
von Belgien und Frankreich her unterstützt; Görres schrieb den
flammenden Protest seines „Athanasius“; geschickt unterband die
Kurie in den verwaisten Diözesen die Befriedigung der Heils—
bedürfnisse und erregte dadurch die Laien; den Anhängern des
alten episkopalistischen Katholizismus war jede Waffe der Be—
ruhigung aus der Hand gewunden, — zum ersten Male gewann
die papale Partei einen wichtigen Bruchteil der öffentlichen
Meinung für sich und erwarb Tausende neuer Anhänger.
In diesem Momente starb König Friedrich Wilhelm III.,
und Friedrich Wilhelm IV. bestieg den Thron. Man erwartete
von ihm auf allen Gebieten Außerordentliches, vor allem aber