Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 48

auf dem kirchlichen, für das er seit langem ein starkes Interesse
gezeigt hatte.
Er war als ein geistreicher Mann bekannt; an der Auf—
richtigkeit seines Tuns zweifelte niemand. So schien Wohl-⸗
wollen und Verständnis gesichert und damit die Aussicht auf
eine klare Lösung der verworrenen Lage gewonnen. Allein eine
genauere Einsicht in das verwickelte Wesen des Königs mußte
von vornherein zu mancherlei Zweifeln führen.
Als tiefste Anlage des Königs konnte vielleicht ein zähes
Beharren in einmal entwickelten Grundanschauungen bei höchster
Assoziationsfähigkeit und stärkster Willenslenkbarkeit im einzelnen
bezeichnet werden. Mit diesen Eigenschaften reichster Suggesti—
bilität und doch zugleich ehrenhafter Verankerung in gewissen
Prinzipien würde der König als Künstler, als Gelehrter, als
Schriftsteller Bemerkenswertes haben leisten können. Zum
Herrscher war er nicht geboren. Ihm fehlte bei aller scharfen
Einsicht in die Einzelmomente einer Lage oder eines Charakters
die Fähigkeit ruhig abwägenden Überblickes; ihm mangelte die
Stetigkeit ständig aufeinanderfolgender, sich auf das Detail des
Lebens beziehender Willensäußerungen: diese Unentschiedenheit
und Unausgeglichenheit ließ ihn häufig moralisch schwach, wenn
nicht gar falsch erscheinen; und wurde in schwierigen Lagen
von ihm Gesamtanschauung und ruhiger Ablauf einzelner
Willensäußerungen gefordert, so versagte er wohl gar bis zu
dem Grade, daß er in einen Zustand völliger Apathie versank.
Diese Veranlagung wurde nun noch auf besondere Weise
akzentuiert und auffällig gemacht durch den Inhalt der hart—
näckig festgehaltenen Grundvorstellungen. Denn im wesentlichen
lief dieser auf eine gänzlich übertriebene Vorstellung von der
eigenen, von der königlichen Würde hinaus, wie sie völlig
eigentlich nur aus dem Milieu eines durch romantische Zeiten
bestimmten Glaubens zu verstehen ist!. Friedrich Wilhelm

An sich ist ein mystischer Zug im Absolutismus sehr alt. Schon
Ludwig XIV. sagt (Puvres 2, 288) vom Fürsten: „tenant pour ainsi
dire la place de Dieu, il semble être participant de sa connaissancé“.