14 Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.

faßte seine Würde als überirdisch und von Gott mit besonderer
Erleuchtung ausgestattet auf, als eine seelische Funktion gleich⸗
sam, der Mit- und Nachwelt deutlicher als sonst Menschen⸗
köpfen entgegentrete: die daher auch andere besonders zu meistern
berufen sei. Und dies tat derselbe Herrscher, dem Befehlen im
Grunde weniger zuwider als unvollziehbar war, dem jede Kühn—
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Aber nicht bloß im Willensmechanismus des Königs trat
so der grellste Widerspruch zwischen Idee und Wirklichkeit her⸗
vor; er erstreckte sich auch auf die intellektuelle Tätigkeit. So
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war er doch durch die Grundauffassung seines Berufes und
seiner Würde in allen wichtigen Fragen an das Denken der
Zeiten gebunden, in denen einmal eine solche Auffassung der
Hauptsache nach Gemeingut zeitgenössischer Anschauung gewesen
war. Es waren die Zeiten vor jedem Individualismus: Perioden
der Politik des Mittelalters und der kirchlichen Konstitutionen
christlicher Urzeit. Aus Denkweisen, die diesen Zeiten geläufig
waren, erfloß daher die Einzelausgestaltung der Ideen des
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alterliches Ständetum waren darum das schließliche Ergebnis.
Dabei wollte es aber die wechselreiche Vorstellungsweise des
Königs im einzelnen wie die historische Entferntheit dieser
Ideale von der Gegenwart in gleicher Weise, daß diese nicht
recht zum Leben gelangen konnten: daß sie ohne feste Umrisse
zu erhalten gleichsam nur poesievoll fortvegetierten: und in
diesem Zustande den König ebenso hinrissen wie die Wirklichkeit
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Wie sollte nun ein König, der die Welt durch die Idee
als eine ihm von Gott angeborene Kraft romantisch beherrschen
wollte, sich mit den groben Kräften des Alltags abfinden? Es
geschah um so weniger, je mehr er die verhängnisvolle Gabe
einer glänzenden Sicherheit des persönlichen Verkehrs und ver—
trauensvollen Sich-Offnens gegenüber Freund und Feind besaß:
denn diese an sich so schätzenswerten Eigenschaften erweiterten
die Anwendungsfähigkeit seiner scharf akzentuierten Begabung