Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 45

und steigerten namentlich den Reichtum neuer Assoziations⸗
möglichkeiten über jedes Maß.
In dem Kampfe mit der katholischen Kirche, deren In⸗
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fühle des Protestanten verehrte, gab Friedrich Wilhelm IV.
völlig nach. Noch sein Vater hatte, in einer Kabinettsorder
vom 28. Januar 1838, eigentlich nur noch an der Forderung
festgehalten, daß sich die Geistlichen bei gemischten Ehen kein
förmliches Versprechen über Kindererziehung mehr geben lassen
dürften. Friedrich Wilhelm IV. ging darüber noch weit hinaus.
Er opferte in dem edlen Breslauer Fürstbischof Sedlnitzki einen
der letzten Vertreter des alten deutschen Episkopalismus. Er
führte den Erzbischof Dunin nach Posen zurück. Er schrieb
dem Kölner Erzbischof Droste ein Entschuldigungsschreiben, das
ihn von jedem Verdacht revolutionärer Umtriebe freisprach,
und übergab nach ehrenvoller Entlassung Drostes das Kölner
Erzbistum dem Speierer Bischof Johannes Geißel, einem
Gesinnungsgenossen Drostes, wenn auch von milderen Formen
und klügerer Kraft der Bestrickung. Und vor allem: er erst
gab völlig die friderizianische Überlieferung von der staatlich
selbständigen Behandlung der katholischen Kirche auf; prinzipien⸗
los wich unter ihm die preußische Regierung vor der festen Be—
tonung der kurialistischen Grundsätze Schritt für Schritt zurück.
Das alles brachte dann in Preußen einen ersten mächtigen,
nun wirklich populären Aufschwung des Katholizismus hervor.
Vom 18. August bis 6. Oktober 1844 zog die Ausstellung des
heiligen Rockes in Trier, wie sie bisher nur in den Jahren
1514, 1585, 1655 und 1810 stattgefunden hatte, mehr als
eine Million Pilger herbei; Flüsse und Landstraßen der Rhein—
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schwung ging eine erste papale Gesinnungsänderung des Klerus
zur Seite.
Zwar enlstand gegen diese Bewegung in dem Deutsch-Katholizismus
 Ronges und Czerskis von Schlesien und Posen
aus eine Gegenbewegung, welche stark in die geistige Gärung
der letzten vier Jahre vor der Revolution eingegriffen hat.