II.

Ehe die Erzählung in die Einzelheiten der politischen Vor—
gänge eintritt, wird es nötig sein, sich ganz im allgemeinen die
Entwicklung des inneren politischen Lebens der Nation im Zeit⸗
alter des Subjektivismus bis zur Thronbesteigung Friedrich
Wilhelms IV. wenigstens in einigen bedeutsamen Zügen ins
Gedächtnis zu rufen. Und damit mag, an der Hand eines
für die Entwicklung besonders wichtig gewordenen Gegensatzes,
zugleich ein Ausblick in die Zukunft verbunden sein, unter
dessen Gedanken der Leser später unwillkürlich jene zahlreichen
Einzelzüge und Einzelwendungen der Entwicklung zusammen⸗
fassen wird, deren Mitteilung nicht umgangen werden kann.
Wir gebrauchen heute die Ausdrücke Liberalismus und
Demokratie nicht immer unter klarer Abgrenzung ihrer geschicht⸗
lichen Bewertung, wenn uns auch unwillkürlich gegenwärtig
ist, daß wir mit Liberalismus mehr etwas schon Vollendetes,
unter Demokratie etwas Werdendes bezeichnen. Eine Schilderung
der politischen Entwicklung der Nation seit 1830 oder 1840
vermag mit so vagen Begriffen nicht auszukommen. Sie wird
in die genauere Betrachtung der geschichtlichen Bedeutung dieser
Worte eintreten müssen; denn es handelt sich bei ihnen recht
eigentlich um Angelbegriffe unserer jüngeren und jüngsten natio—
nalen Geschichte.
Dem ganzen Wesen des Subjektivismus ist es eigen, zu⸗
nächst für die Autonomie der Einzelpersönlichkeit sowohl in ihrem
inneren Wesen wie in dem Bereiche ihrer Einwirkungsmöglich⸗
keiten nach außen einzutreten. Darum hat das subjektive Zeit—
alter innerhalb der deutschen Geschichte sich praktisch an erster
Stelle in Erziehungsfragen ausgelebt: es wollte den einzelnen