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Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.

Damals aber konnte es wohl so scheinen, als bestehe noch mehr oder
minder selbständig, sicherlich als Ganzes aber unerschüttert und
unerschütterlich die soziale Konstellation des 18. Jahrhunderts.
Indem nun die konservativ gerichteten Köpfe von dieser An—
nahme ausgingen, wurden sie alle mehr oder minder restaurativ
und traten damit, wie wir von unserer Gegenwart aus leicht
zu urteilen haben, mit der fortschreitenden Entwicklung je
länger je mehr in einen so fundamentalen Gegensatz, daß ihr
Denken unfruchtbar und ihr Wollen machtlos wurde. Und so
erledigte sich denn das konservative Denken eigentlich von sich
selbst aus; es fiel aus; und dies Schicksal wurde ihm um so
mehr zuteil, als sich beinahe alle Konservativen zu dem un—
bedingten Korrelate des organischen Staatsgedankens, zur
Einheitsidee, aus partikularistischen Gründen ablehnend ver—
hielten: höchstens die Osterreicher haben davon eine Ausnahme
zemacht und konnten sie machen, da für sie, unter Beibehaltung
des Kaisertums der Habsburger, Vartikularismus und Reichs⸗
idee zusammenfiel.
Völlig anders war die Entwicklung der liberalen An—
schauung. Auch sie fand allerdings ebensowenig wie die kon—
servative eine genügende Anknüpfung an das Bestehende und
Werdende. Gewiß versuchten einige Liberale der zwanziger
bis vierziger Jahre auf der langsam fortschreitenden sozialen
Entwicklung der Nation zu fußen und ihr Motive moderner
einheimischer Staatskonstruktion zu entnehmen. Allein die Mehr—⸗
heit sah gleich den Konservativen im Grunde sozialen Still⸗
stand; und da sie, aus Anregungen des weit stärker entwickelten
Geisteslebens her, gleichwohl das lebhafteste Bedürfnis einer fort⸗
schrittlichen Staatskonstruktion empfand, so machte sie für deren
Durchbildung fremde Anleihen bei den Völkern der Nachbar⸗
schaft, insbesondere bei den Franzosen. Auf diese Weise zogen,
mächtiger schon seit den zwanziger Jahren, fremde Theorien
künftiger deutscher Verfassungen über den Rhein.
Aber nun wollte das Unglück, daß auch diese Theorien keines⸗
wegs der Anschauungsbasis des neuen Subjektivismus entsprossen
waren, sondern vielmehr nichts waren als Fortbildungen des