30 F Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.

Land und ganz Deutschland“. Und schon 1840, gelegentlich
der Huldigung der märkischen Stände, hatte der König selbst
zu diesen geäußert: „Wollen Sie mir helfen und beistehen, die
Eigenschaften immer herrlicher zu entfalten, durch welche Preußen
den Großmächten der Erde zugesellt ist? Nämlich Ehre, Treue,
Streben nach Licht, Recht und Wahrheit, Vorwärtsschreiten in
Altersweisheit zugleich und heldenmütiger Jugendkraft? Wollen
Sie in diesem Streben mich nicht verlassen noch versäumen,
sondern treu mit mir ausharren durch gute wie böse Tage,
o! dann antworten Sie mir mit dem klarsten, schönsten Laute
der Muttersprache, antworten Sie mir ein ehrenfestes Ja!“
So schien denn alles gegeben: ein guter Wille der Nation,
ein instruktives Hinstreben zu neuen staatlichen Zielen und ein
trefflicher, selbstbewußter Fuhrer: da mußte wenigstens in Preußen
zunächst ein glänzender Aufschwung des inneren Staatslebens
erfolgen.
In der Tat begann die Regierung Friedrich Wilhelms IV.
in Preußen zunächst mit einer Reihe innerer Reformen und
entgegenkommender Maßregeln gegenüber Personen, die in den
Zeiten Friedrich Wilhelms III. ungerecht gelitten hatten. Und
wenn auch der Eindruck kein ganz reiner war, wenn auch die
Männer in der Umgebung des Königs, von Rochow, von Ger—⸗
lach, von der Gröben dem Liberalismus fernstanden, wenn
weiter die Ernennung des tapferen, aber bureaukratischen Eich⸗
horn zum Kultusminister, die Berufung Hassenpflugs in das
Obertribunal, die Maßregelung des Dichters Hoffmann von
Fallersleben! ganz andere Möglichkeiten zeigten und eben das
Schillernde sich bald als Charakter des neuen Regimes ergab:
so überwogen doch anfangs volkstümliche Maßregeln. Am
10. August 1840 erfolgte eine allgemeine Amnestie für Hoch⸗
verrat, Majestätsbeleidigung und politische Verbrechen; im
Jahre 1841 erschien ein Erlaß über die Grenzen der Zensur,
der deren Handhabung milder ordnete; ihm folgte 1842 gar
die Aufhebung der Zensur für alle Druckschriften über zwanzig

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