58 Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.

unter Zusage einer periodischen Einberufung des Landtags;
am 8. März wurde eine Reform des Preßgesetzes verheißen.
In diesen Tagen etwa machte sich der König auch mit dem
Gedanken vertraut, daß eine Konstitution nicht mehr zu um—
gehen sei. Am 14. März wurde der preußische Landtag wiederum
zum 27. April nach Berlin einberufen: bis dahin hoffte man
die Ergebnisse des Fürstenkongresses von Dresden vor sich zu
haben.
Aber alle diese Maßregeln und Sinnesänderungen kamen
—DDDDDDDD frühere Ein—
berufung des Landtags; schon am 6. März hatte unter den
Zelten, am Rande des Tiergartens, eine erste Volksversammlung
stattgefunden, um eine Adresse an den König zu erörtern;
wenige Tage darauf wurden solche Versammlungen häufiger
und erregter; am 10. März war schon Militär aufgeboten
worden, um Straßendemonstrationen zu unterdrücken, die sich
mit ihnen verknüpften.
Nun wäre der Verlauf vielleicht, trotz alles Zögerns der
Regierung, doch noch friedlich gewesen, denn die weitaus über—
wiegende Mehrheit der Bevölkerung vertraute noch blindlings dem
König. Aber die Neigung des Züngleins an der Wage wurde bald
empfindlich durch das Eingreifen des Militärs bestimmt: und
auch in anderen als radikalen Kreisen schuf es durch sein brüskes
Auftreten eine kaum wieder zu beseitigende Erbitterung.
Am Abend des 15. März war man, nun auch unter An—⸗
reizung durch fremde Aufhetzer, namentlich eine Anzahl von
revolutionserfahrenen Polen, so weit, daß Ulanen den Schloß⸗
platz von der demonstrierenden Menge fäubern mußten, daß
Barrikaden gebaut wurden, daß die ersten Schüsse fielen. Es
war der Moment etwa, da man von der Revolution in Wien
am 13. März, vom Sturze Metternichs und vom Versprechen
einer österreichischen Verfassung vernahm: noch höher schwoll
dadurch die Strömung des Widerftands. Es wurde zwar noch
ein Ausgleich zwischen der Bürgerschaft und der Militärpartei
durch die Einrichtung bürgerlicher Schutzkommissionen gesucht:
aber vergebens; neue, unverantwortlich schneidige und ganz