78 Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes KNapitel.

ordentliche Umwälzung vor sich: er begann ein moderner Staat
zu werden, neben den Priestern gelangten auch die Laien in
höhere Amter. Und gleichzeitig machte der neue Papst nach
außen hin Front gegen den Feind der Einheit Ztaliens, gegen
Osterreich: Auguft 1847.
So wurde denn der Papst zum Abgott Italiens; Einheit
und Freiheit der Nation zugleich schienen sich in ihm erfüllen
zu sollen.
Allein bald darauf erkannte Pius, der in der Verbindung
mit dem Liberalismus nur die Größe der Kirche gesucht hatte,
wie wenig sich diese Absicht in der von ihm gewählten Form
oerwirklichen ließ; er zog sich von der nationalen und liberalen
Bewegung zurück und machte seinen Frieden mit dem Todfeind
derselben, mit Österreich: 29. April 1848.
Inzwischen war es aber in den anderen Staaten Italiens
zu Revolutionen gekommen, so in Sizilien und Neapel Ende
1847 und Anfang 1848; ähnlich etwas später in Toskana,
Parma, Modena. Parma und Modena lehnten sich dabei an
Osterreich an; Osterreich aber erklärte in der Lombardei am
22. Februar 1848 den Kriegszustand, um die von Süden
herübertretende Bewegung aufzuhalten.
Diese fand jetzt aber ihren festen Hort in Piemont. König
Karl Albert, dieser so in mannigfachen Farben schillernde, ehr—
geizige Fürst, war jetzt willens, die Einheit Italiens unter seiner
Krone, die das Ziel aller seiner Träume war, mit Hilfe der
revolutionären Verbindungen durchzuführen. Hierzu bedurfte
es vor allem der Vertreibung der Hsterreicher aus Oberitalien.
Und so knüpfte er mit den nationalen Kräften in Venedig und
in der Lombardei Verhandlungen an, die auf die Begründung
eines oberitalienischen Königreiches der Dynastie Savoyen
hinausliefen, und überschritt mit seinen Truppen ohne Kriegs⸗
erklärung die österreichische Grenze: April 1848.
Es kam nun zu heißem Kampfe zwischen den Oberitalienern,
denen von Süden her massenhaft Freischaren zuströmten, und
den Osterreichern unter dem greisen Feldmarschall Radetzky.
Der Feldzug verlief den Italienern anfangs günstig; seit Juni