32 Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.

Paskiewitsch mit einem russischen Heere die ungarische Grenze,
auch die Osterreicher ermannten sich; es konnte sich nur noch
um einen Verzweiflungskampf der Ungarn handeln.
Er schloß ab mit der Kapitulation des größten ungarischen
Heeres unter Görgey bei Vilägos am 18. August 1849; bald
darauf fiel auch die letzte ungarische Feste, Komorn, in die Ge—
walt der Kaiserlichen, 27. September 1849. Und nun erging
über Ungarn ein schreckliches Strafgericht unter dem herzlosen
Feldherrn Haynau; die Hauptführer des Aufstandes wurden
aufgeknüpft; Graf Ludwig Batthyanyi brachte sich eine Wunde
so bei, daß er nicht gehängt werden konnte: er wurde er—
schossen.

Fast zu gleicher Zeit wie die ungarische wurde aber auch
die Bewegung in Oberitalien bewältigt. Hier hatten die grauen⸗
haften Vorgänge in Wien während des Septembers und
Dktobers 1848 den Revolutionären neuen Mut gegeben; die
Bemühungen der kaiserlichen Regierung, sich mit Piemont zu
verständigen, scheiterten; und im März 1849 begann der Krieg
von neuem, angefangen von Karl Albert. Aber der alte
Radetzky lieferte noch einmal den Beweis seiner strategischen
Meisterschaft; er hielt, was er dem Heere in seinem Aufrufe
oerkündet hatte: „Der Kampf wird kurz sein; noch einmal
folgt eurem greisen Fuhrer zum Sieg!“ In einem viertägigen
Feldzuge, vom 20. bis zum 24. März 1849, schlug er die
Piemontesen bei Mortara und Novara und entschied damit
den Krieg. Karl Albert dankte ab, ihm folgte sein Sohn
Viktor Emanuel II., der spätere König von Italien. Diesem
blieb nichts übrig, als einen verhaßten Frieden mit OÖsterreich
zu schließen und sein Land zunächst auf dem Wege innerer
Reformen dem großen Ziele, der Einheit Italiens, entgegen⸗
zuführen.
Inzwischen gelang die Wiederherstellung der kaiserlichen
Herrschaft auch in Venedig; die tapfere Verteidigung unter
dem Patrioten Manin verschlug nichts gegenüber dem Sieges—
zuge Radetzkys, am 30. August 1849 wurde diesem die Stadt
übergeben.