Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 83

Das österreichische Italien war damit wiederum unter⸗
worfen; was aber an der Republik oder an italienischer Ein—
heit festhielt, das flüchtete jetzt nach Rom, in den Kirchenstaat.
Hier waren dem reaktionären Umschwung Papst Pius' IX. inzwischen
 schlimme Dinge gefolgt; am 15. November 1848
hatten die Demokraten das Ministerium gestürzt und den Papst
in eine Art ehrenvoller Gefangenschaft gesetzt; im Februar
1849 war eine römische Republik erklärt worden. So schien
es Sache der konservativen Mächte, dem Papste zu Hilfe zu
kommen und das Asyl der Revolutionäre aufzuheben. Die
Neapolitaner, bei denen inzwischen eine krasse Reaktion zur
Herrschaft gelangt war, rückten vor; die sterreicher nahmen
Bologna und Ancona, und die Franzosen stürmten schließlich am
3. Juli 1849 Rom. Im April 1850 kehrte Pius IX. aus Gaeta
zurück; und die Ruhe des Kirchenstaates wurde seitdem durch
eine französische Besatzung aufrechterhalten, die bis 1870 in
Rom verblieb.
Während dieser Fülle verwirrender Kämpfe, die schließlich
alle zugunsten Osterreichs ausfielen, baute das neue Ministerium
Schwarzenberg-Stadion seit November 1848 eifrig an der
inneren Verjüngung des Staates. Am 22. November 1848 er⸗
ffnete es einen Reichstag zu Kremsier und legte ihm einen
Verfassungsentwurf vor. Und als dieser von der Linken zu
lebhaft kritisiert wurde, löste es den Reichstag auf. Am
7. März 1849 wurde der erzbischöfliche Palast zu Kremsier, in
dem die Versammlung tagte, von Militär umstellt und die
Abgeordneten nach Hause geschickt.
Gleichzeitig aber erschien eine Reihe ministerieller Erlasse,
die diesen Schritt zu begründen versuchten, und wurde am
4. März eine oktroyierte Verfassung publiziert. Diese Ver—
assung konstituierte Österreich als ein einziges großes, zentrales
Reich; von dem alten Dualismus war nicht mehr die Rede;
ür die einzelnen Länder der Monarchie wurden Provinzial—
stände geschaffen. Funktionierten diese Provinzialstände erst, so
sollte für das ganze Reich ein einziges Parlament berufen werden.
Neben ihm aber war dem Kaiser eine sehr ausgedehnte Gewalt