88 Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
Nation auf gesetzlichem Wege nicht würden durchdringen können.
Sie versuchten es daher mit einer militärischen Erhebung im
badischen Oberland und forderten unterm 12. April das Volk
zur Begründung der Republik mit bewaffneter Hand auf. Es
war, wie sich sofort zeigte, ein völlig erfolgloses Beginnen.
Die Freischärler wurden durch Bundestruppen geschlagen und
zerstreut; leider fand dabei der Bundesgeneral Max von Gagern,
ein Bruder Heinrichs, den Tod. Aber schon Ende April war
die Ruhe wiederhergestellt.
Während dieser Zeit arbeitete nun der Ausschuß, den der
Bundestag zur Beratung eines Verfassungsentwurfes berufen
hatte, unter der Leitung des Historikers Dahlmann emsig
weiter. Er empfahl schließlich ein Deutsches Reich, in das
von den Ländern Österreichs nur die deutsche Gruppe zu—
gelassen werden sollte, mit kräftigster Zentralgewalt: die Fürsten
waren sozusagen zu erblichen Oberpräsidenten ihrer Länder
degradiert. An die Spitze aber sollte Preußen, sollten die
Hohenzollern treten.
Dieser Entwurf wurde im Bundestag mit vollstem Wider—
willen aufgenommen. Was aber schlimmer war: auch Friedrich
Wilhelm IV. erklärte sich gegen ihn: vielmehr müsse der öster⸗
reichische Kaiser als, Ehrenhaupt teutscher Nation“ auch Deutscher
Kaiser werden, darunter möge dann wohl ein Hohenzoller als
„teutscher König“ stehen, gekürt zu Frankfurt, gesalbt und gekrönt
durch den Erzbischof von Köln oder einen evangelischen Primas
Germaniae. So wurde der Entwurf des Ausschusses in den Akten
begraben: und der Durchlauchtigste Bund sah dem Zusammen—
treten der konstituierenden Nationalversammlung ohne Verfass ungs⸗
entwurf und ohne provisorische Zentralgewalt entgegen.
Um die Mitte Mai, zur Blütenzeit, versammelten sich zu
Frankfurt die Abgeordneten des deutschen Volkes zu der ersten
großen Nationalversammlung, die unser Volk gesehen hat. Es
war ein feierlicher Augenblick, als die fast sechshundert Ver—
treter am 18. Mai vom Kaisersaale des Römers unter Glocken—
geläut und Kanonendonner nach der Paulskirche, ihrem Beratungs⸗
ort zogen, wo über dem Präsidentenstuhl das Ziel ihrer Tätig⸗