Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 98

ihre Bureaus mit Unterstaatssekretären usp. Und auch die
Nationalversammlung begann sich noch mehr zu bestimmten
Parteien abzuklären. Dabei zeigte sich denn immer mehr, daß
die Linke, an deren Spitze Robert Blum aus Leipzig trat, nachdem
sie in der Konstituierung der Gewalt des Reichsverwesers eine
Niederlage erlitten hatte, republikanischen Idealen zustrebte: sie
war an Zahl gering, wirkte aber sehr rührig namentlich auch
durch den Anhang, den sie unter dem Frankfurter Volke fand.
Aus ihr sonderte sich übrigens später noch eine äußerste radikale
Linke mit Anklängen aus, die man heute vielleicht am besten
als sozialdemokratisch charakterisieren würde: zu ihr gehörten
unter anderen Karl Vogt und Ruge. Der Linken trat dann,
auch nicht übermäßig stark, eine Rechte gegenüber, gemäßigt
konservativ, mit vielen Preußen als Mitgliedern. Ihre Führer
waren neben dem jungen geistreichen österreichischen Fürsten
Lichnowsky die Preußen von Vincke und von Radowitz, der
letztere bald ein intimer Freund Friedrich Wilhelms IV.
Zwischen beiden Parteien endlich stand, an Zahl weitaus über—
ragend, das Zentrum. Es umfaßte alle Elemente, welche
bürgerlich liberal und national dachten. Dabei unterschied man
später noch ein rechtes und ein linkes Zentrum. Das rechte
Zentrum wurde von Heinrich von Gagern geführt und zählte
z. B. Dahlmann, Gervinus, Arndt, Beseler, Bassermann, Jakob
Grimm als Mitglieder; in ihm lag recht eigentlich der Kern
—
meist aus Süddeutschen zusammen; hier fanden sich z. B. Römer,
Fallmerayer, auch von Wydenbrugk aus Weimar zusammen.
Vom rechten Zentrum schied sich das linke dadurch, daß bei ihm
der Gedanke der Volkssouveränität stärker hervortrat: was zur
Folge hatte, daß die Interessen der Einzelstaaten der Einheits—
dee ziemlich weitgehend untergeordnet wurden.
Nachdem nun die provisorische Zentralgewalt konstituiert
war, mußte es als die erste Aufgabe der Nationalversammlung
erscheinen, die definitive Verfassung in Beratung zu nehmen
und hier vor allem die Frage nach der endgültigen Form der
Zentralgewalt zu lösen.