Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 95

erholten sich von ihrem Schrecken und begannen sich zu den
Frankfurter Beschlüssen kritisch zu stellen. Das um so mehr,
als die Nationalversammlung in gelegentlichen Debatten nament—
lich über auswärtige Angelegenheiten wunderliche Dinge wagte:
es zeigte sich hier die Jugendlichkeit des deutschen Parlamen⸗
tarismus und das Mißliche, das es so häufig hat, in großen
Versammlungen über äußere Politik zu sprechen. So wollte
die Linke mit Frankreich ein Schutz- und Trutzbündnis schließen,
da es republikanisch sei, und mindestens erkannte man später
die Republik an; Friedrich von Raumer, der Geschichtschreiber
der Hohenstaufen, ging als Reichsgesandter nach Paris. Noch
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Dinge erbitterten die Regierungen; und in Preußen speziell war
man schon seit der Wahl eines Erzherzogs zum Reichsverweser
aicht gut auf Frankfurt zu sprechen.
Zum offenen Ausbruch kamen diese Stimmungen in der
Frage der Militärhoheit. Am 15. Juli beschloß die National—
versammlung die Verdoppelung des Bundesheeres durch Er—
höhung der Aushebungen auf zwei Prozent der Bevölkerung;
am 16. Juli erließ Peucker als Kriegsminister ein Rundschreiben
an die deutschen Regierungen nebst einem Aufrufe an die
deutschen Truppen, worin er den Reichsverweser als obersten
Kriegsherrn bezeichnete; die Regierungen aber ersuchte er, am
53. August den Truppen den Aufruf verlesen, sie dem Reichs⸗
verweser huldigen und die schwarz-rot-goldene Kokarde anlegen
zu lassen.
Aber da fügten sich nun nur die kleineren Staaten, und
auch diese nur teilweise; und von den großen protestierte nament—
lich Preußen.
Es zeigte sich, daß die neue Reichsgewalt im Innern keinen
Einfluß besaß. Das gleich traurige Ergebnis sollte sich aber
bald auch für das Äußere herausstellen. Der entscheidende An—
stoß kam hier von der schleswig-holsteinischen Frage.
In Schleswig-Holstein hatte schon in den dreißiger Jahren
eine dänenfeindliche Bewegung begonnen. Ihr erster Führer
war der Landvogt Jens Uwe Lornsen auf Sylt; und schon er