Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 101

Reich solle aus dem Gebiete des Deutschen Bundes bestehen
unter Vorbehalt der Verhältnisse Schleswigs; habe ein deutsches
Land mit einem nichtdeutschen dasselbe Staatsoberhaupt, so
solle dies deutsche Land eine von dem nichtdeutschen getrennte
eigene Verfassung, Regierung und Verwaltung erhalten. Es
wvar ein Antrag, der natürlich für Osterreich die Zerreißung in
zwei Teile bedeutete; und es war von vornherein klar, daß
Osterreich ihm niemals stattgeben würde.
Um so gespannter war man auf seine Wirkung in der
Nationalversammlung.
Hier wurde er zunächst Anlaß zur Spaltung der hisherigen
Mehrheit, wie sie wesentlich aus dem Zentrum bestanden hatte.
Während Dahlmann und die Seinigen an dem radikalen Aus—
scheiden der nichtdeutschen Landesteile Osterreichs festhielten,
entwickelten Gagern, Vincke u. a. den Gedanken eines engeren
Bundes unter Wegfall Hsterreichs überhaupt, worauf dann
dieser engere Bund mit Osterreich einen völkerrechtlichen Ver—
trag auf Zolleinheit und anderes mehr schließen sollte.
Den Ausschlag gab bei der Abstimmung am 27. Oktober
die Linke. Sie stimmte für den Dahlmannschen Antrag und
hoffte damit das damals in allen Fugen wankende legitimistische
Osterreich völlig zu zertrümmern.
Es fragte sich nun, was man in Wien zu dieser Brüskierung
sagen würde?
In Hsterreich herrschte damals, wie wir uns erinnern,
furchtbare Verwirrung. Und erst gegen Dezember 1848, nach
den kriegerischen Erfolgen der Generäle, die einen der Ihrigen,
den Fürsten Schwarzenberg, an die erste Stelle der auswärtigen
Politik brachten, trat Klärung ein; die Generäle waren es auch,
die am 2. Dezember die Thronbesteigung Franz Josephs durch—
setzten I.
Dies waren die Umstände, unter denen daun die Berufung
des österreichischen Gesamtreichstages nach Kremsier erfolgte.
Und hier eutwickelte nun Schwarzenberg am 27. November

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