104 F Ffünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapite.

Währenddessen wurden in Frankfurt die verschiedenen
Kapitel der Reichsverfassung weiter verhandelt. Über die
Schaffung eines obersten Reichsgerichtes verständigte man sich
leicht, schwer dagegen über das Wesen des Reichstages, der
Vertretung der Nation überhaupt. Die Linke wollte ein Ein—
kammersystem, endlich kam es zum Beschluß einer zwiefach
gegliederten Vertretung: neben einem Staatenhaus, zusammen—
gesetzt aus Vertretern der einzelnen Regierungen und der deutschen
Landesstände, sollte ein Volkshaus stehen, das aus Wahlen
hervorgehen sollte, über deren Ordnung man sich noch zu ver—
ständigen hatte.
Am 14. Januar begannen dann die Verhandlungen über
den personalen Charakter des Reichsoberhauptes. Und hier
zeigte sich nun, in dieser Kardinalfrage, volle Zerfahrenheit.
Man schwankte wochenlang hin und her; die einen wollten eine
Präsidentschaft, die anderen einen Exekutivkörper nach Art des
alten Bundestages, die dritten ein Direktorium von drei oder
mehr Mitgliedern; gegen die Idee der Einheit verwahrten sich
vor allem Klerikale und Partikularisten.
Gleichwohl drang sie allmählich durch; am 28. Januar 1849
wurde die Bestimmung beschlossen, das Reichsoberhaupt sollte
einer der deutschen Fürsten unter dem Titel „Kaiser der
Deutschen“ sein; die Erblichkeit konnte einstweilen noch nicht
durchgesetzt werden.
Immerhin war damit ein Punkt gewonnen, von dem aus
die deutschen Großmächte Stellung nehmen konuten.
In Preußen bereitete darum Camphausen ein Zirkular⸗
schreiben an die deutschen Regierungen vor, das gegen die
Form, in der die Frankfurter Versammlung vorgegangen sei,
Verwahrung einlegte, inhaltlich aber dies Vorgehen billigte und
sich Gagerns Programm vom engeren und weiteren Bunde an—
eignete: nur darauf käme es noch an, daß die Regierungen durch
gemeinsame Verhandlungen zu Frankfurt mit dem Parlament
diese Grundlagen passend ausgeftalteten. Aber Friedrich Wil⸗
helm IV. setzte der Absendung dieser Zirkularnote anfangs den
heftigsten Widerstand entgegen. Er wollt⸗ noch immer mit