Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 109

sterreich auf, vielmehr seines Amtes weiter zu warten. Es
war klar, daß man durch ihn, dem ja der Bundestag seine
Gewalt delegiert hatte!, wiederum auf den alten Bundestag
zurückkommen konnte.
In Preußen begann man dagegen sofort Verhandlungen
mit Frankfurt, um eine konservative Abänderung der beschlossenen
Verfassung zu erreichen, sowie mit den Einzelstaaten, um sie
im Sinne Friedrich Wilhelms IV. zur Zustimmung zu der
Frankfurter abgeänderten Verfassung zu bewegen. Diese Ver—
handlungen waren anfangs sehr aussichtsvoll. Schon am
14. April erklärten die Vertreter aller deutschen Staaten mit
Ausnahme der Königreiche, daß sie die Reichsverfassung an—
erkännten: Preußen möge nunmehr das gleiche tun. Und auch
von Preußen her war man inzwischen der Anerkennung viel näher
getreten. Camphausen hatte mit den entscheidenden Männern
in Frankfurt verhandelt und die Zusage erhalten, daß man
alsbald nach der Annahme der Krone und Verfassung durch
Friedrich Wilhelm IV. zu einer konservativen Revision der Ver—
fassung schreiten werde; Beckerath vom Reichsministerium war
nach Berlin gefahren, um mit dem Könige letzte Einzelfragen
zu ordnen: nichts fehlte mehr als das zustimmende königliche
Wort. Aber jetzt, in einem letzten entscheidenden Augenblicke,
erlebte man wieder das merkwürdige Zurückzucken im Willen
des Königs. Er zauderte, sprach von Gefahr; und als Beckerath
einwarf, die Gefahr sei für Preußen stets eine sieglockende
Sonne gewesen, antwortete er: „Wem sagen Sie das? Ich bin
kein Friedrich der Große“ ...
Am 21. April befahl der König dem Grafen Brandenburg,
in der preußischen zweiten Kammer die Ablehnung der Reichs—
verfassung namens der Staatsregierung auszusprechen. Damit
war zugleich das Schicksal der Nationalversammlung in Frank⸗
furt sowie auch das der nationalen Einheit auf lange Zeit hin
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Die Abweisung von seiten Preußens hatte zunächst überall

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