Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 11]

mächtiger als maßloser Beschlüsse war, daß Gagern vom Reichs—
ministerium zurücktrat, daß ferner am 20. Mai Gagern, Simson,
Dahlmann, Arndt und andere aus der Nationalversammlung
austraten. Von diesem Augenblicke an war die National⸗
versammlung nur noch ein Konvent der Linken und ging einem
trostlosen Ende entgegen.
Während dieser Vorgänge war dann die Revolution auch
in Südwestdeutschland, besonders in der Pfalz und in Baden,
ausgebrochen. In der Pfalz gärte es schon lange, in Baden
kam es am 11. Mai 1849 zu einer Militärrevolution in Rastatt,
am 18. Mai zu einem „Landeskongreß“ zu Offenburg, am 14.
zur Begründung einer provisorischen Regierung in Karlsruhe
unter dem Demokraten Brentano. Der Großherzog entfloh
ziemlich kopflos über Lauterburg nach dem Mittelrhein.
Allein auch hier erfolgte die Unterdrückung sehr rasch.
Preußische und Bundestruppen unter dem Oberbefehl des
Prinzen von Preußen rückten von Norden aus heran, die
Insurgenten wurden in dem Treffen bei Waghäusel, am
21. Juni 1849, geschlagen und bald darauf völlig zerstreut.
Eine parallellaufende, aber minder gewaltsame Bewegung
in Württemberg verquickte sich schließlich mit den letzten Schick⸗
salen der Frankfurter Nationalversammlung.
Als nämlich die Bewegungen im Südwesten begannen,
beschloß die Nationalversammlung nach Stuttgart zu gehen, um
ihnen näher zu sein. Am 6. Juni eröffnete sie ihre Sitzungen
unter dem Vorsitze des Arztes Löwe-Calbe, nur noch etwa
hundert Mitglieder stark, im Saale der württembergischen Ab—
geordnetenkammer; zugleich setzte sie ein Kollegium von fünf
hrer Mitglieder, Raveaux, Karl Vogt und andere, als Reichs—
regentschaft ein.
Das alles ließen sich die Schwaben noch gefallen. Als aber
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und über eine Fünfmillionenanleihe annahm, ward ihm der
Garaus gemacht. Am 18. Juni 1849 wurde das Sitzungshaus
militärisch umstellt und die Abgeordneten am Eintritt in das—
selbe verhindert.