116 Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.

eine stärkere Einheit Deutschlands, erhalten und war durch den
Prinzen mit einer verwandten Denkschrift des Fürsten Karl
von Leiningen, eines Schwagers des Prinzgemahls, bekannt
geworden. Für die Stellungnahme des Königs in dieser Zeit
bleibt dabei der Brief lehrreich, in dem er, am 6. November
1847, dem Prinzen Albert geantwortet hatte: „Bis auf zwei
Dinge .. mir .. aus der Seele geschrieben und mir um so
merkwürdiger, als ich gerade die Maßregeln getroffen hatte, um
den“ vorgeschlagenen Weg wirklich zu betreten. Die zwei Points
de dissentiment sind 1. das gewünschte Aufgeben vonseiten
der deutschen Fürsten von einem Teil ihrer Souveränitätsrechte,
2. das angeratene Vorschreiten Preußens auf dem Wege des
modernen Konstitutionalismus.“ Das waren nun freilich die
Hauptpunkte aller nationalen Forderungen überhaupt. Zu alle—
dem hatte sich der König auch noch aufs entschiedenste gegen
die kleindeutsche Idee gewendet: „Ihr Schwager von Leiningen
geht in allen Dingen viel weiter als Ew. Königliche Hoheit.
Vor seinem Wunsche, ‚daß Osterreich faktisch aus dem Bunde
gedrängt werde und Preußen seine Stelle einnehme‘, möge mich
unser Herrgott im Himmel bewahren! Deutschland ohne Triest,
Tirol und das herrliche Erzherzogtum! Wäre schlimmer als ein
Gesicht ohne Nase! Gott wird Deutschland nicht verlassen!“
Waren dies die Stimmungen und Meinungen des Königs
vor 1848 und 1849, so hat die Geschichte dieser Jahre er—
geben, wieviel er inzwischen doch gelernt hatte. Freilich: in
einem verhängnisvollsten Punkte war er standhaft geblieben:
in seinem unbedingten Respekt vor Osterreich. Da war es denn
klar, daß diese innerste Stellungnahme des Königs den Be—
strebungen Österreichs auch im Verlaufe noch der nachrevolutio⸗
nären Zeit von vornherein einen Vorsprung geben mußte.
In Osterreich hatte Fürst Schwarzenberg inzwischen ein
Programm mit folgenden Hauptzügen entworfen!: Eintritt
Gesamtösterreichs sowohl in den Deutschen Bund als in den
Preußischen Zollverein; Ersetzung des Bundestages durch ein

v. Sybel 1, 353.