Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 125

er denn zum bitteren Feinde der Union und berief aus preußischen
Diensten einen neuen Minister, Hassenpflug, einen Mann, der
schon in den dreißiger Jahren hessischer Minister gewesen und
sich mit dem Landtag herumgeschlagen hatte, einen überzeugten
Fanatiker des Absolutismus und der Orthodoxie, zudem von
aunglaublicher Kühnheit der Mittel.
Und nunmehr begann in Kurhessen ein bis dahin un—
erhörtes Regiment.
Von Februar bis September 1850 begehrte Hassenpflug
oom Landtage die Bewilligung der Landeseinkünfte und Steuern,
ließ aber gleichzeitig keinen Staatshaushalt vorlegen, obwohl
bekannt war, daß ein solcher fertig im Finanzministerium lag.
Die Stände verweigerten darauf die Vollmacht zur Erhebung
der direkten Steuern. Als dann Hassenpflug am 2. September
den Steuerbehörden trotzdem die Erhebung dieser Steuern be—
fahl, verweigerten diese die Erhebung: das gehe gegen ihren
Diensteid. Ein Ausgang, der Hassenpflug keineswegs verblüffte.
Auf Grund eines im Jahre 1848 aufgehobenen Bundesgesetzes
erklärte er jetzt das Land als im Kriegszustand befindlich. Und
als die Behörden diese Erklärung nicht anerkannten, da ver—
anlaßte er, zum Beweise des aufrührerischen Zustandes, den
Kurfürsten, mit ihm zusammen Kassel zu verlassen; und ging mit
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Danau, in die Nähe des wiederhergestellten Bundestages.
In der Tat setzte Hassenpflug dann den Bundestag, vorn⸗
weg Österreich, in dieser unglücklichen Angelegenheit in Be—
wegung. Am 17. September berichtete er; und am 21. September
schon beschloß der Bundestag, die kurhessische Regierung solle ihn
schleunigst über die Mittel unterrichten, die sie zur Bändigung
des Aufruhrs ergriffen habe; das Verfahren der kurhessischen
Ständeverfammlung komme einer Steuerverweigerung gleich; es
sei allen Anforderungen der Regierung Folge zu leisten; und
er, der Bundestag, habe die Pflicht, der Landesregierung zur
Bändigung des Aufruhrs die erforderliche Hilfe zu leisten.
Natürlich schritt jetzt Hassenpflug, wie man ihn im Lande
nannte „Der Hessen Haß und Fluch“, zu neuen Forderungen