126 Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.

fort. Am 2. Oktober unterwarf er das Land einer Militär—
diktatur; überall sollten nur Kriegsgerichte funktionieren. Allein
auch dieses Mittel versagte. Die Ständeversammlung ließ den
General von Haynau, den Oberbefehlshaber, beim Militär—
auditoriat wegen Vergewaltigung und Verfassungsverletzung
verklagen, dieses nahm die Anklage an, und am 9. Oktober
forderten zweihundertdreiunddreißig Offiziere, vier Generäle,
sieben Oberste, zwanzig Oberstleutnants, dreizehn Majore, neun⸗—
undfünfzig Hauptleute und Rittmeister, achtzig Sekondleutnants,
ihre Entlassung.
Damit waren die innerhessischen Mittel erschöpft: es blieb
nichts übrig, als Vermittlung oder Dämpfung von außen her.
In diesem Momente stießen nun Osterreich und Preußen
aufeinander. Der Bundestag wollte unter österreichischem Ein⸗
fluß zur Exekution schreiten: Preußen erhob dagegen Einspruch.
Aber Osterreich war diesmal seiner Sache sicher. Es war
klar darüber, daß der russische Zar, der sich in diesen Jahren
überall in Deutschland zugunsten der Reaktion einzuschreiten
herausnahm, über die Vorgänge in Hessen empört war und
rasche Wiedereinführung des Kurfürsten wünschte. Es sah, wie
alle Mittelstaaten die kurhessische Angelegenheit als Mittel zur
Sprengung der preußischen Union erfreut begrüßten, und so
handelte es rasch.
Am 11. Oktober kamen die Monarchen von Hsterreich,
Bayern und Württemberg in Bregenz zusammen und beschlossen,
dem hessischen „Aufruhr“ entgegenzutreten; bald darauf zog ein
Frekutionsheer von Bayern und Osterreichern gegen das Land.
Mittlerweile aber hatte auch Preußen Militär vorgeschoben;
es hatte Kassel besetzt; es drang nach Süden gegen Fulda
zu vor.

Inzwischen näherten sich die Bundeserekutionstruppen eben⸗
falls Fulda. So stand alles auf der Schneide des Schwertes;
und am 8. November kam es bei Bronzell zu einem Kugelwechsel
der Vorposten der beiden Heeresmassen, der freilich nur einem
Schimmel das Leben kostete; das Zusammentreffen wurde später
als Mißverständnis erklärt.