128 Fünfundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.

ausgesprochen; Holstein sollte unter der von der deutschen
Zentralgewalt angeordneten Statthalterschaft bleiben; Schleswig
aber im Namen des Königs von Dänemark von einer drei—
köpfigen Landesregierung verwaltet werden, an deren Spitze
ein Engländer trat.
Natürlich protestierte die Statthalterschaft von Holstein
gegen diese Lösung, die sich fast mit dem Offenen Briefe König
Christians in Übereinstimmung befand; ihr schlossen sich mehrere
deutsche Regierungen an; und nur fünf Regierungen bestätigten
die Abmachungen.
Inzwischen aber, Januar 1850, begann Preußen die Ver—
handlungen über einen endgültigen Frieden. Sie zogen sich
endlos hin; Preußen verlor in ihnen eine Position nach der
anderen. Gleichzeitig verschlechterte sich das Verhältnis zu
Osterreich und Rußland wegen der Unionsverhandlungen; auch
eine Zusammenkunft des Prinzen von Preußen mit dem Zaren
Nikolaus besserte daran nichts: vielmehr verlangte Nikolaus
gebieterisch einen Dänemark günstigen Abschluß.
Er kam am 2. Juli zustande und gab Schleswig-Holstein
ganz in die Hände Dänemarks. Dem König von Dänemark
blieb es überlassen, alle zur Bewältigung des Widerstandes
von Schleswig-Holstein dienlichen Mittel zu gebrauchen; eine
Erbfolgeordnung sollte begründet werden, die alle Staaten des
Königreichs Dänemark gleichmäßig umfaßte.
Aber die Herzogtümer hatten in Erwartung so trostlosen
Ausgangs ihre Vorkehrungen getroffen. Sie blieben unter den
Waffen; an Stelle des preußischen Generals von Bonin trat
als Oberbefehlshaber der Generalleutnant von Willisen. Doch
Willisen war im Felde unglücklich; am 24. und 25. Juli 1850
erlitt er bei Idstedt, am 12. September bei Missunde Nieder⸗
lagen; und am 4. Oktober unternahm er einen vergeblichen
Sturm auf Friedrichstadt.
Über diese Vorgänge erfüllten sich alle Herzen in Deutsch—
land mit Trauer und Vorwürfen gegen Preußen; innerhalb
der Großmächte aber erschien Preußen gleichwohl für die ewig
ffene Wunde Dänemarks verantwortlich; und namentlich der