Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Nirche und Staat. 129

Zar war in seiner Weise dafür zu sorgen bereit, daß der
Frieden endlich gesichert werde. Diese Schwierigkeiten traten nun
aber für Preußen im gleichen Augenblicke ein, da es seine Ehre
in Hessen aufs Spiel gesetzt sah.
Eine ehrliche Überwindung dieser Lage wäre jetzt nur
noch durch einen Krieg gegen sterreich und den Deutschen
Bund, vielleicht auch gegen Rußland zu finden gewesen. Allein
hierzu fehlte den preußischen Staatsmännern das Herz, und
der König, in seinen Überzeugungen schwankend, ordnete sich
ihnen unter.
Am 15. Oktober reiste der preußische Ministerpräsident
Graf Brandenburg nach Warschau, wo sich der Zar Nikolaus
befand, um ihn zur Unterstützung Preußens in der hessischen
Sache wie in den Angelegenheiten der Union zu vermögen sowie
mit ihm die schleswig-holsteinische Frage zu regeln. Aber auch
Kaiser Franz Joseph und sein Minister des Auswärtigen, Fürst
Schwarzenberg, stellten sich ein. Natürlich war es ihnen, bei
den Sympathien und Antipathien des Zaren, ein leichtes, diesen
auf ihre Seite zu ziehen. Für Preußen hatte der Zar nur allerlei
freundlich erteilte reaktionäre Ratschläge übrig, Ratschläge, die
seine Demütigung bedeuteten. Und so hatte Graf Brandenburg
schlechte Botschaft heimzubringen. In der deutschen Verfassungs⸗
frage hatte man sich auf freie Konferenzen der deutschen Staaten
zu Dresden zu einen, deren Ergebnis nach den bestehenden Um—
ständen nur die Wiederherstellung der alten Bundesverfassung
sein konnte. In der hessischen Sache blieb es im ganzen bei
der Exekution des Bundesheeres. In der schleswig⸗holsteinischen
Angelegenheit wurden völlig trostlose Ansichten laut; von einer
deutschen Hilfe gegen Dänemark sollte nicht mehr die Rede sein.
Anfang November erschien Brandenburg mit diesen Nach—
cichten und vorläufigen Abmachungen in Berlin. Er riet vom
ckriege ab und starb gleich darauf, am 6. November, an einem
hitzigen Nervenfieber. Gleichzeitig trat Radowitz zurück, und
Otto von Manteuffel übernahm die Leitung der auswärtigen
Geschäfte.
Inzwischen rüsteten Osterreich und die deutschen Bundes—
Ldamprecht, Deutsche Geschichte. XI, J.