IV.

Ende der vierziger und Anfang der fünfziger Jahre hatte
man in schwerem Ringen die Einheit Deutschlands herzustellen,
den nationalen Gedanken durchzuführen gesucht.
Anfangs geschah das von den volkstümlich liberalen Kräften.
Sie scheiterten vor allem an der Ungewohntheit zu handeln und
darum an der Unklarheit über die Mittel, die zu dem von ihnen
aufgestellten Ziele führen sollten, einigermaßen auch an der
Energie des Widerstandes der Regierungen.
Dann, nach diesem Scheitern der liberalen Versuche, traten
die beiden deutschen Großmächte auf den Plan, um den Einheits⸗
traum der Nation vom legitimistischen Standpunkte aus zu
verwirklichen. Ernst war es damit nur Preußen. Aber seine
Versuche in Dreikönigsbund und Fürstenunion verliefen kläglich,
ja führten zur völligen Verkennung der preußischen Absichten
und zur Demütigung Preußens in der auswärtigen Politik.
Danach trat OÖsterreich mit seinen Plänen wieder in den
Vordergrund, wobei die Absicht schließlich, je mehr es siegte,
um so mehr auf die Verwirklichung des dem Kaiserstaate ge—
nehmsten deutschen Systems, auf die Wiederherstellung des alten
Bundestags, zusammenschrumpfte.
Gleichwohl blieb keine der ehrlichen Bemühungen dieser
Zeit um die deutsche Einheit ohne Frucht. Die liberale Be—
wegung lieferte für die nächste Zukunft unaustilgbar das Ideal
eines freien und einigen Deutschlands, die preußischen Ver—
suche zeigten die Ergänzung zu diesem Ideal in der gegen—
seitigen Verbindung und Annäherung der Fürsten zu einem
bundesstaatlichen Zusammenschluß auf Grund alter fürstlicher,
legitimistischer Rechtsanschauung. Die kommenden Jahre und