Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 135

fassung; überall hatten die Gerichte mit angeblichen Hochverrats—
prozessen zu tun; und der Schluß der Periode wurde durch
ein Gesetz ausgezeichnet, das den adligen Gutsherren noch ein⸗
mal die Prügelstrafe gegenüber ihren Hörigen gestattete.
Ahnlich, wenn auch nicht in ganz so klassischer Weise
mittelalterlich, verliefen die Dinge in Hannover. Hier hatte
der alte König Ernst im Jahre 1848 in eine liberale Anderung
der Verfassung gewilligt und blieb der festen Absicht, sie durch—
zuführen, auch als die revolutionäre Hochflut verlaufen war.
Als er aber an die Umgestaltung der bis dahin von der Ritter—
schaft beherrschten Provinzialstände ging, wandten sich die Ritter
—
Seite, Oktober 1851.
Da starb bald darauf, am 18. November 1851, König
Ernst, und es folgte der blinde König Georg V. Georg, der
von vornherein zur Zurücknahme einzelner Bestimmungen neigte,
ließ sich vom Adel schließlich noch weiter drängen. Das Ende
der ritterschaftlichen Agitation war ein Frankfurter Bundestags—
beschluß vom 12. April 1855, der die Aufforderung an den
König enthielt, die bestehende Verfassung so zu ändern, daß sie
mit der Bundesverfassung vereinbar wäre und den ritterschaft—
lichen Beschwerden abhülfe. Und wirklich wurde darauf unter
bergeblichen Protesten der Liberalen die Landesvertretung auf—⸗
zelöst und die Verfassung durch eine königliche Verordnung vom
1. August 1855 im Sinne der früheren Verfassung vom Jahre
1840 geändert.
Wie dies Spiel aber in den größeren Mittelstaaten ver⸗
lief, so wiederholte es sich vielfach auch in den kleinen, nur
daß es hier nicht selten ins Lustige karikiert wurde. Im Vorder⸗
grunde standen dabei die Duodezstaaten Norddeutschlands, wie
denn durch diese ganze Zeit hindurch der Unterschied zwischen
der viel freiheitlicheren Entwicklung der Südstaaten und der ge—
hundeneren des Nordens augenscheinlich blieb. Besonders aber
zeichneten sich unter diesen Kleinen Anhalt und Lippe-Detmold
aus. Im Großstaat Lippe-Detmold begann damals Lorenz
Hannibal Fischer, der Versteigerer der deutschen Flotte des