Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in Kirche und Staat. 137

des Staates im Sinne etwa Metternichs beschäftigt war, stellten
sich schwere finanzielle Verlegenheiten ein, und sie wurden durch
große Rüstungen zum Krimkriege noch vermehrt. Die Staats—
schulden begannen aufs fühlbarste auf das Wirtschaftsleben zu
drücken; der Verkehr mußte mit einem Papiergeld von sehr
schwankender Valuta bewältigt werden; ganz allgemein sank
der Kredit. Und die österreichischen Finanzmänner, sonst in
tausenderlei Auskunftsmitteln erfahren, verzweifelten dieses Mal
fast an der Heilung. Die Lage des Staates war damit gegen
Schluß der fünfziger Jahre schlimm genug, um so mehr, als
sich Ungarn von den Stürmen der Revolution noch immer nicht
erholen wollte.
In Preußen überlegte die „kleine, aber mächtige Partei“
am Hofe längst, wie sie den König zur Aufhebung der Ver—
fassung veranlassen könnte. Allein in diesem Punkte bewährte
Friedrich Wilhelm IV. seine Standhaftigkeit, unterstützt von
seinem liberalen Freunde Bunsen, beraten auch von einigen
ehrlichen Konservativen, so dem Oberpräsidenten von Sachsen,
Freiherrn Senfft von Pilsach.
Doch fand der Minister des Innern, Herr von Westphalen,
auch ohne Aufhebung der Verfassung Mittel, einer mehr rück—
wärts als vorwärts gewendeten Staatsauffassung Bahn zu
schaffen.
Die Verfassung hatte eine große Reihe liberaler Grund—
sätze aufgestellt, namentlich im zweiten Titel, der von den
Rechten der Preußen handelte. Dabei war die Annahme ge—
wesen, daß diese Grundsätze durch spätere legislative Tätigkeit
in Spezialgesetzen Leben erhalten sollten. Jetzt wußte von West⸗
phalen das zu vereiteln und behauptete, solange eine solche
Ausführungsgesetzgebung noch nicht bestehe, gälten auch deren
Grundsätze noch nicht, sondern das frühere, ihnen vielfach wenig
entsprechende Recht.
Daneben suchte man auch positiv rückschrittlich zu wirken.
Zwar eine starke Begrenzung der Gewerbefreiheit gelang nicht.
Dagegen unterbanden drei Ministerialverordnungen vom Mai
1851 die bisherige Wirksamkeit der Selbstverwaltung, wie sie