Voller Realismus.

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Auf anatomischem Gebiete wurde zunächst der Franzose
Bichat mit seiner seit 1801 erscheinenden „Allgemeinen Ana—
tomie, angewandt auf die Physiologie“, und mit seiner „Be—
schreibenden Anatomie“ zum Vater der wissenschaftlichen Ent—
wicklung des 19. Jahrhunderts; er zuerst hat ein vollständiges
System von 21 Arten der Gewebe aufgestellt, in einer Einteilung,
deren man sich noch heute teilweise bedient. In Deutschland
aber nahm später Johann Friedrich Meckel (1781 -1838) mit
seinem System der vergleichenden Anatomie vom Jahre 1830
eine verwandte, wenngleich schon höhere Stelle ein, insofern
zr zum ersten Male neben der Anatomie des Menschen der
Zootomie stärker Bahn brach. Damit trat denn das ver—
gleichende Moment mehr in den Vordergrund; und es lag in
der Natur der Dinge, daß es alsbald in das entwicklungs⸗
geschichtliche umschlug. Dies um so mehr, als auch schon die
Anthropologie in einzelnen hervorragenden Spezialarbeiten ana⸗—
tomisch betrieben zu werden begann. So hat z. B. Friedrich
Friedmann im Jahre 1816 eine für seine Zeit mustergültige
Studie über „Das Hirn des Negers verglichen mit dem des
Europäers“ veröffentlicht, wenn auch das Studium der Menschen—
rassen eigentlich erst von dem Schweden Retzius (1796 — 1860)
genauer aufgenommen und die feinere Gehirn- und Nerven⸗
amatomie gar erst von Benedikt Stilling (1810 -1879) begründet
wvorden ist.
Noch mehr freilich, als die Anatomie der feinsten Teile des
tierischen und menschlichen ausgewachsenen Organismus, führte
das Studium der Embryonen, und vor allem zunächst wieder
des menschlichen Embryos, der entwicklungsgeschichtlichen Be—
trachtung zu. Und hier begannen nun, nachdem Kaspar Friedrich
Wolff schon im 18. Jahrhundert die doppelt symmetrische Aus—
bildung des Embryos erkannt und auch das erste Auftreten der
meisten Organe richtig beobachtet hatte, ebenfalls seit dem
zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts die großen Entdeckungen;
von Pander stellte in seinen „Beiträgen zur Entwicklungsgeschichte
 des Hühnchens im Ei“ im Jahre 1817 zunt ersten
Male die frühesten, aus der Keimhaut her erfolgenden Ent—
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