152 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites KRapitel.

hatte, daß sich innerhalb einer in den Zellen befindlichen
Flüssigkeit, die er Cytoblastem nannte, neue Zellen bilden könnten,
und während Schwann gar eine freie Zellenbildung auch
außerhalb der Mutterzelle für möglich gehalten hatte, lehrte
Mohl schon 1846, daß neue Zellen nur durch einen Teilungs⸗
akt der Mutterzelle entstehen können; und nicht allzulange da⸗
nach faßte Virchow die neue Lehre in die Formel: Omnis
rellula e cellula: zusammen.
Man begreift, daß damit für die allgemeine Biologie eine
entwicklungsgeschichtliche Tatsache von höchstem Werte gewonnen
war. Denn was schien der Virchowsche Satz anders zu heißen,
als daß all die Milliarden und Milliarden von Zellen, welche
die lebenden Organismen zusammensetzen, schließlich auf einen
einzigen gemeinsamen Ursprung aus einer einzigen Zelle zurück—
weisen? Die physiologischen und anatomischen Voraussetzungen
für eine durchaus monistische Theorie der Entwicklung der Lebe—
vesen schienen entwickelt.
Im übrigen mußte jede Entwicklungstheorie dieses Charakters
nun freilich im Gebiete der botanischen und zoologischen Systematik
gefunden und durchgebildet werden. Und auf diesem Gebiete waren,
gleichzeitig etwa mit dem Ausbau der Physiologie und Anatomie,
in der Tat große und in manchem Betracht für evolutionistische
Lehren genügende Fortschritte gemacht worden. Sehen wir hier
von der Botanik zunächst ab, da pflanzliche Organismen lange
Zeit der Untersuchung ihrer Variabilitaͤt, insbesondere auch in
den paläozoischen Zeiten, stärkeren Widerstand entgegenstellten als
tierische, so waren doch auch an sich schon die Fortschritte in der
Zoologie besonders bedeutend. Da war vor allem so ziemlich
die ganze Welt der Protozoen, der einzelligen Tiere, die als
Protoplasmaklümpchen mit einem Kerne noch keine Organe
besitzen, erschlossen worden; es war ein Gebiet, auf dem be—
sonders der Mikroskopiker Ehrenberg tätig gewesen war, wenn
auch nach ihm noch viel zu tun blieb. Da hatte noch vor der
eingehenden Untersuchung der Protozoen die Lehre von den
Würmern mannigfache Wandlungen durchgemacht: Rudolphi
hatte seine Entozoorum historia naturalis 1808 bis 1810,