158 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Napitel.

wir die Entwicklung der Chemie bis zu der Zeit verfolgt, da
die elektrochemische Atomtheorie von Berzelius als das allgemein
angenommene System gelten konnte!l. Auf der Untersuchung
vornehmlich der Salze mit ihrem binären Charakter, also auf
Forschungen durchaus im Bereiche der anorganischen Chemie
aufgebaut und innerhalb dieses Bereiches auf die elektrischen
Erfahrungen der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts eingeftellt,
ordnete diese Theorie die Elemente in eine nach elektrischen
Prinzipien entworfene, von Elementen negativer zu Elementen
positiver Elektrizität fortschreitende Reihe und sah ihre chemischen
Verbindungen als nach binärer Anordnung erfolgend an. Es
waren die ersten Anfänge einer klaren, in sich schon etwas be—
stimmteren Atomtheorie, die freilich, wie spätere Erfahrungen
ergaben, nur auf einer anorganischen, ja vornehmlich nur auf
einer Chemie der Salze aufgebaut werden konnten.
Nun stellte sich aber bald heraus, daß eine so einfache
Lehre selbst der Mannigfaltigkeit der chemischen Erscheinungen
auf anorganischem Gebiete in keiner Weise gerecht wurde. Schon
bei den Sauerstoffsalzen, die mindestens drei Elemente enthalten,
ergaben sich Schwierigkeiten in der binären Anordnung, und
diese mehrten sich, als später Verbindungen von noch weit
mehr als drei Elementen bekannt wurden. Allein Berzelius half
sich da, um das binäre System aufrechtzuerhalten, anscheinend
sehr einfach durch Zusammenfassung von zwei und mehr
Elementen unter dem Begriffe eines sogenannten Radikals:
d. h. eines „zusammengesetzten Komplexes, der sich formal wie
ein Element verhält, indem er ohne Anderung seiner Zusammen⸗
setzung aus einer Verbindung in die andere übergehen kann“.
Und er brachte diese Ergänzungshypothese auch mit der her⸗
kömmlichen elektrochemischen Anschauung in Übereinstimmung,
indem er, ganz nach dem Herkommen, einen der zusammen—
gesetzten Bestandteile der Verbindung als positiv, den anderen
als negativ ansah.
Indes da ergaben sich nun wiederum bald neue, starke und

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