Voller Realismus.

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tatsächlich den Raum des Wasserstoffs, d. h. einen doppelt so
großen Raum ein!. Nun hätte man annehmen können, daß
ein Atom Wasser aus einem Atom Wasserstoff und einem halben
Atom Sauerstoff bestünde, und die Schwierigkeit wäre behoben
gewesen. Allein durfte man halbe Atome in die Hypothese ein—
führen, da doch die Atomtheorie die Unteilbarkeit des Atomes
boraussetzte?
Man half sich schließlich damit — und zwar kamen Avogadro
(1776- 1856) und Ampère (1775 1836) unabhängig voneinander
auf die gleiche Lösung —, daß man, in dem beispielsweise an—
geführten Falle, doppelte Atome Sauerstoff im Sauerstoffgase
annahm: dann kam je ein Sauerstoffatom auf ein Atom Wasser—
dampf. Und in entsprechender Weise konnte man, wie sich
zeigte, durch Verdoppelung auch in allen anderen Fällen durch—
schlüpfen.
Was hieß das nun aber vom Standpunkte der Ato—
mistik? Offenbar konnten jetzt die kleinsten Teilchen der Gase
nicht mehr mit den Atomen identisch gesetzt werden, sondern
man mußte sie in diesem Fall der elementaren Gase als aus
Paaren gleicher Atome zusammengesetzt ansehen. Dabei führte
sich für die kleinsten Gasteilchen allmählich der Name Molekeln
oder Moleküle ein, während die kleinsten Teilchen der Elemente
nach wie vor Atome genannt wurden.
Nun ist freilich leicht zu sehen, daß diese Lehre im Grunde
die vollste Zersprengung zunächst der alten Atomlehre der an⸗
organischen Chemie bedeutete. Allein da Berzelius dem mit aller
Wucht seines Ansehens widersprach, so brachten es Forschungen
und Bedenken, wie die soeben berührten, zunächst nur zu ge—
ringer Anerkennung. Doch mußte sich das schließlich doch ändern,
je mehr die Interessen der organischen Chemie den Ausschlag
gaben, und in dem vorliegenden, noch der anorganischen Chemie
angehörenden Falle insbesondere, nachdem Williamson (1824 bis
1904 gezeigt hatte, daß nicht die äquivalenten Mengen, sondern
bielmehr die auf gleiche Dampfvolumina bezogenen Formeln die

Ostwald, Leitlinieu der Chemie, 1906, S. 77.
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