170 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

charakterisierter kleinster Teilchen; jedes Element des eigentlichen
Evolutionismus fehlt ihr. Nun hatte aber gerade diese ato—
mistische Theorie gegen das Ende der ersten subjektivistischen
Periode gesiegt, indem es ihr gelungen war, die organische
Chemie sich anscheinend völlig und für immer einzuordnen.
Im ganzen ist nach alledem die imposante Einheit der natur—
wissenschaftlichen Anschauungen in den fünfziger bis siebziger
Jahren des 19. Jahrhunderts nicht zu verkennen. Durchaus hatte
die mechanische Naturwissenschaft gesiegt; in jeder Hinsicht war
ein statischer Grundton der Betrachtung, und demgemäß zwar
ein gewisser Historismus, aber nur der äußeren Vorgangsformen,
nicht dagegen ein wirklicher Evolutionismus, eine Theorie
der inneren Fortentwicklung, zur Geltung gelangt. Es war
eine Lehre, der die Welt der Erscheinungen schließlich immer
in irgendeiner Weise aus einem gestörten Gleichgewichtszustande
der Materie hervorgegangen war und bestimmt schien, in einen
solchen Gleichgewichtszustand wieder zurückzukehren: eine Lehre,
deren tiefe Unterströmung die Philosopheme Schopenhauers und
Hartmanns, der Modedenker dieser Zeit, gleichmäßig befruchtete.
Und es war eine mächtige Lehre. Es sind die Jahre des so—
genannten naturwissenschaftlichen Zeitalters, die Jahre der
Philosophie der Naturforscher und der naturwissenschaftlichen
Versuche der Philosophen, die Jahre zugleich des ersten hohen
Aufschwungs der modernen Technik und damit der Entwicklung
des wissenschaftlichen Fermentes in der modernen Volkswirt—
schaft, im Wirtschaftsleben der Unternehmung.

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2. Sollte nun dieser ganze Vorstellungskomplex nicht auch
auf die Entwicklung der Geisteswissenschaften eingewirkt haben?
Die Fortbildung der geisteswissenschaftlichen Disziplinen
erschien seit den dreißiger Jahren fast noch mehr als vorher an
das Schicksal der Geschichtswissenschaft geknüpft. Aber dabei kam
im Grunde nicht so sehr der zentrale Charakter der Geschichts—
wissenschaft als der Disziplin des Evolutionismus in Betracht,
wie vielmehr die Tatsache, daß die übrigen Wissenschaften des