174 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Rapitel.

18. Jahrhunderts mit der Begründung des Oberschulkollegiums
und der Einführung des Abiturientenexamens, dann mit der
weiteren Durchbildung vornehmlich der Zentral- und Aufsichts⸗
behörden des Staates in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahr⸗
hunderts am frühesten der Grundstein zur Organisation eines
besseren Mittelschulwesens gelegt worden. Und durchgreifend
wurde das neue System dadurch gestaltet, daß gleichzeitig viele
alte bürgerliche Lateinschulen aufgehoben wurden — es waren
um die Mitte des 18. Jahrhunderts noch etwa vierhundert vor⸗
handen gewesen —: ein Vorgang, der zugleich eine Verengerung
der höchsten nationalen Bildungskreise, und zwar vornehmlich
auf das Bürgertum der größeren Städte zur Folge hatte. Die
innere Organisation des neuen Gymnasiums aber war doch
vornehmlich erst der Zeit nach 1806 und nach 1815 vorbehalten
geblieben. Denn erst jetzt ergingen umfassende Verordnungen über
die Lehrerprüfungen und wurde der Lehrplan von 1816 aus—
gearbeitet, worauf Johannes Schulze (1786 — 1869), seit 1818
Rat im Ministerium Altenstein, die neue Ordnung eingehend be—
festigte: und erst mit dem Rundschreiben vom 24. Oktober 1837
konnte das System als im ganzen abgeschlossen gelten.
Es war zu einer Zeit, da auch andere Staaten längst in
die gleiche Bewegung eingetreten waren, da diese überhaupt
als ganz selbstverständlich und notwendig begriffen zu werden
begann; selbst die radikalsten Lehrerversammlungen der vierziger
Jahre haben nichts mehr als die Vollendung des Gymnasial⸗
systemes gefordert. Für die mittel- und süddeutschen Länder
wurde dabei Sachsen, das klassische Land der reformatorischen
Schulentwicklung, noch einmal vorbildlich; vornehmlich von
den alten Fürstenschulen, darunter auch dem inzwischen preußisch
gewordenen Schulpforta, ging hier eine Bewegung aus, die in
gesunder Reaktion gegen die intellektualistischen Gefahren des
Klassizismus nicht so sehr zum Wissen wie wenigstens zum
Können zu erziehen und auf diesem Wege auch charakterbildend
zu wirken suchte; gestützt wurde sie durch den großen Einfluß
Gottfried Hermanns, der an der Universilät Leipzig als Philo—
loge pädagogisch etwa noch in dem alten Sinne der Gezner