182 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Rapitel.

ziger und sechziger Jahren, sondern erst recht in den Jahrzehnten
seines Verfalles bis hin zur Gegenwart.
Doch ist nicht zu verkennen, daß die zunehmende Vor—
stellung von der Immanenz der Ideen da, wo die Konsequenzen
nicht bis zu Ende gedacht oder gefühlt wurden, auch glückliche
Folgen hatte. Es war eine vielfach anmutige Vermenschlichung
der Ideenwelt, trat man den Einzelheiten nahe und näher und
mit ihnen vor allem dem Einzelmenschen; ein schöner Helden⸗
kultus blühte empor, um später aus Quellen des Seelenlebens der
zweiten subjektivistischen Periode noch satter gespeist zu werden;
und die Geschichte erschien wiederum, nach altem pragmatischem
Rezept, fast als eine Schöpfung nicht so sehr Gottes wie mensch—
licher Halbgötter.
War es da weiter verwunderlich, wenn nun auch der Kult
des Willens begann, und wenn man in der Geschichte vor
allem nur die besonders aufdringlichen Willensäußerungen in
Krieg und Frieden, in Staatislenkung und in Führung aus—
wärtiger Angelegenheiten, nicht dagegen die stillere Tätigkeit
des Denkers und Künstlers sah? Eine neue Periode halb
rationalistischer politischer Geschichte stand, rein aus den nächsten
Voraussetzungen der Wissenschaftsgeschichte selbst heraus, in
Aussicht.
Wie aber mußte diese Entwicklungstendenz gleichzeitig durch
die Vorgänge im heimatlichen Staatsleben gefördert werden!
Es ist die Zeit, da der Ruf nach Einheit und Freiheit immer
lauter erklang, da man in den Taten der Väter suchte — und
fand, was die Zukunft den Enkeln bescheren sollte. So war
es nicht Staatengeschichte schlechtweg, sondern nationale Staaten⸗
geschichte, was gefördert wurde; und eine Periode begann, in
welcher Geschichtschreibung und Politik, Tagesinteressen und Ver—
senkung in die Vergangenheit ein engstes, für die rein historischen
Interessen freilich verhängnisvolles Bündnis schlossen.
Dabei glaubte man allerdings, wenigstens anfangs, Natio—
nales und Universales verschmelzen zu können, indem man an⸗
nahm, daß eben aus der Versenkung in das Nationale erst die
tiefere Erfassung des Universalen hervorgehen werde. Von