II.

Die Entwicklung der Geisteswissenschaften und im Grunde
auch der Naturwissenschaften in den Zeiten des Realismus zeigt
lehrreich, wohin eine wissenschaftliche Bewegung führt, die nur
rational⸗intellektuelle Kräfte heranzieht und es unternimmt, der
Hypothese wie der phantasievollen Intuition engste Grenzen zu
setzen. Das Ergebnis wird immer Materialismus und Pessi—
mismus sein und war es im vorliegenden Falle doppelt, da
sich die intellektualistische Verknöcherung als Rationalisierung
der schöpferischen Eingebungen früherer Phasen der ersten sub—
jektivistischen Periode einstellte.
Da aber eben in solchem Zusammenhange die Wissen—
schaften während dieser Jahrzehnte geistig führten, so versteht
sich, daß ihr Wesen und ihre Haltung auf die anderen Gebiete
seelischen Lebens nicht bloß abfärbte, sondern sogar bis zu einem
gewissen Grade entscheidend einwirkte. Von dieser Einwirkung
aber wurde an erster Stelle und besonders schwer natürlich
dasjenige Gebiet betroffen, das der Intellektualisierung der
Kultur innerlich am wenigsten zuneigt, das Gebiet der Phantasie⸗
tätigkeit. Wie einschneidend gerade hier der Einfluß der wissen⸗
schaftlichen Bewegung war, läßt sich am einfachsten aus der
Tatsache ersehen, daß es nicht bloß gelegentliche, zerstreute und
aus Einzelheiten hervorgehende Wirkungen des Intellektualismus
waren, welche in dieses Gebiet eindrangen, sondern daß ständig
und zentral das Kernhafte des Intellektualismus einwirkte. Dieses
Kernhafte aber war gegeben in jener historischen Anschauung
der Dinge in Natur und Geist, die schon wiederholt als
genetisch bezeichnet worden ist: in einer Anschauung, die nur
die nächsten Zusammenhänge sah, und der daher auf natur⸗