Voller Realismus.

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wissenschaftlichem Gebiete physikalische und chemische Er—
scheinungen als völlig dem Begriffe der Zeit entrückt und also
als ungeschichtlich, und der auf historischem Gebiete nur die
kleinen individuellen Vorgänge als wesentlich und darum als
geschichtlich erschienen. Ausscheidung daher aller wahrhaft
großen Naturvorgänge, in denen sich physikalische und chemische
Verläufe als historisch bedingt erweisen, in den Bereichen der
Phantasie und im Kreise der historischen Ereignisse Ablenkung
dieser selben Phantasie auf das Äußerliche der isolierten
Aktion, auf historisch-antiquarische und schließlich vielfach wohl
gar nur kunstgewerbliche Interessen: das wurde zur Signatur
der Zeit.
Konnten dabei die einzelnen Zweige der Phantasietätigkeit
wahrhaft gedeihen? Die Musik versagte von vornherein; die
großen musikalischen Meister dieser Jahre, vornweg Richard
Wagner, gehören mit ihrem Innersten schon ganz den Ent—
wicklungsanfängen der zweiten subjektivistischen Periode an.
Fast ebenso stark verlor die Dichtung, die schon durch die
Sprache, ein für sie und die Wissenschaft gleichmäßig vor—
handenes Ausdrucksmittel, immer stark an die wissenschaftliche
Bewegung gefesselt erscheint. Am wenigsten wurde noch die
bildende Kunst betroffen. Und doch war, wie wir alsbald
sehen werden, auch auf ihrem Gebiete die Einwirkung schon
stark genug; und wo sie sich nicht in einem Inhalt und Form
fast gleich stark ergreifenden Historismus kundgab, da führte
sie wenigstens zu einer Erschlaffung der nationalen Phantasie—
stärke, die fremden Einflüssen den Eintritt in die deutsche
Kunstübung erleichterte, wenn nicht überhaupt erst eröffnet hat.
1. Gewiß blühte dabei in dem Deutschland der vierziger
und fünfziger Jahre zunächst noch manches von der Kunst der
Romantik und des Klassizismus fort. So selbst in der am
raschesten fortschreitenden, weil führenden Kunst, in der Malerei.
Da ist zum Beispiel ein Teil der Werke Genellis erst in den
sechziger Jahren erschienen: selbst damals also hatte der Klassi⸗
zismus noch seine Verehrer. Diese Jahre brachten aber auch
recht eigentlich erst die volkstümliche Verbreitung der Schöpfungen