192 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

der Romantiker Moritz von Schwind und Ludwig Richter. Und
keineswegs handelte es sich dabei nur um populäre Strömungen;
auch die Ästhetik und die ganz von ihr beeinflußte Kunstgeschichte
hielt noch zumeist am Alten fest.
Da konnte denn wenigstens ein Zweig der Malerei, frei—
lich derjenige, für den die Entwicklung einer realistischen Kunst,
insofern sie auf einseitigen Kolorismus hinauslief, am wenigsten
Fortschritte zu bringen hatte, die Freskomalerei, tatsächlich
noch fast bis über den Abschluß der ersten Periode des Sub—
jektivismus hinaus den Zusammenhang mit dem alten Karton—
stil festhalten. In dieser Verbindung zeigen zum Beispiel noch
die Malereien Geselschaps (1835—98) in der Ruhmeshalle zu
Berlin ganz die alten, bei diesem Meister freilich auch durch
die innere Verwandtschaft mit Cornelius begründeten Zusammen⸗
hänge mit Klassizismus und Romantik; und eine andere Gruppe
zumeist jüngerer Meister, Peter Janssen (182991) etwa mit
seinen Krefelder Rathausmalereien (1873), Arthur Kampf, Fritz
Röber, vor allem Hermann Prell (* 1854) mit den Wand—
malereien im Berliner Architektenhause (1878), im Palazzo
Caffarelli der Deutschen Botschaft zu Rom (1899) und im
Ständehause zu Dresden (1907), ist zwar von dieser Grund⸗
lage zugunsten stärkerer koloristischer Wirkungen abgerückt, hielt
indes in Kompositionsweise und Betonung des gedanklichen
Inhalts für die Konzeption der Hauptsache nach doch noch mit
der alten Kunst Fühlung. In der Tat brachte es schon die
Stellung der Wandmalerei zur Architektur, solange diese nicht
zu einem wirklich neuen Stile überging, mit sich, daß sich die
Formengebung im Umriß und mit ihr wenigstens sehr leicht
auch die alte Kompositionsart aufdrängte. Zudem war diese
Malerei die Kunst der konservativen Mäzene, der Kirche, der
Fürsten, allenfalls noch der führenden städtischen Geschlechter.
Genau den entgegengesetzten, mithin einen dem allgemeinen
Fortschritte des Seelenlebens sich unmittelbar anschmiegenden
Verlauf nahm dagegen je länger je mehr das leichte Volk der
reproduzierenden Künste, des Holzschnittes, der Lithographie, des
Kupferstiches, der Radierung. Sehr begreiflich; denn, wie