194 Fünfundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

zartere Natürlichkeit ist später nie wieder, weder von dem
wesentlich der Darstellung der feinen Gesellschaft zugewandten
George du Maurier, noch von dem unübertroffen sicheren Zeichner
Charles Keene, dem von Menzel so vielfach Bewunderten, er—
reicht worden.
Beinahe gleichzeitig, seit mindestens dem Beginne des
19. Jahrhunderts, hatte sich die Karikatur aber auch in Frank⸗
reich zu einer besonderen Kunst entwickelt, wenngleich das
„Journal pour rire“, das 1856 den Titel „Journal amusant“
annahm, erst 1848 begründet worden ist.
Auf deutschem Boden ist die Entwicklung nicht bloß später
angebrochen, sie war auch, bis auf die neuesten Zeiten, weniger
reich: abgesehen von der Rückständigkeit der allgemeinen
psychischen Voraussetzungen fehlte der große Zug einer natio—
nalen Politik, fehlte noch mehr der einheitliche Ton einer
augenscheinlich nationalen Gesellschaft, um sie zu entbinden.
Am ehesten und frühesten hätte ihr noch die geistige Gesellschaft
der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts brauchbare Vorwürfe
liefern können. Aber Chodowiecki!, wenn man ihn in diesem
Zusammenhange nennen will, hat keinen Nachfolger gehabt;
und die volkstümliche Kunst vor allem des Kupfers und des
Holzschnittes begnügte sich mit der einfachen Wiedergabe des
Lebens der Gegenwart, wie sie etwa ein Klein und Erhard in
Nürnberg, wie sie später auf der Grundlage sächsischer Volks—
sitten, nun freilich mit einem starken idealistischen Einschuß von
Gemüt, Treuherzigkeit und Frische, Ludwig Richter geübt hat.
Als aber diese Kunst mit der gemachten und suffisanten Art
Pletschs verfiel, da begannen die schönen Zeiten der Karikatur,
als des vollsten demokratischen Ausdruckes einer Griffelkunst des
Realismus; und die netten Bildchen Hendschels wie die geist—
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zügler der alten objektiv-gegenständlichen Manier.
Zur Tat ging dabei die Disposition zur Karikatur vor
allem durch 1848 über. Vorher haätte es in Deutschland nur

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